Zur Entwicklung des Trainerwesens von der Gründung der DDR 1949 bis zum Jahr 1957

Die Gründung der DDR leitete auch für den Sport eine neue Entwicklungsetappe ein. Bereits in den Jahren 1948 und 1949 hatten sich in der sowjetischen Besatzungszone die politischen und materiellen Bedingungen für den Wettkampfsport soweit verbessert, dass ein Einsatz von Trainern besonders im Fußball, Feldhandball, aber auch in solchen Sportarten wie in der Leichtathletik und Sportschwimmen zunehmend möglich wurde. Die wachsende Zahl von Ostzonenmeisterschaften und besonders Großsportveranstaltungen, wie die Wintersportmeisterschaften des Deutschen Sportausschusses (DS) im Februar 1949 in Oberhof, das "Sportfest der Jugend" zu Pfingsten 1949 in Leipzig und nicht zuletzt die Teilnahme einer Sportlerdelegation an den II. Weltfestspielen der Jugend und Studenten in Budapest beförderten diesen Prozess ganz erheblich. Durch den DS konnten Trainer, die im Sport haupt-, neben- oder ehrenamtlich tätig waren, erstmals eine Lizenz erwerben.

Bereits wenige Wochen nach der Gründung der Republik erläuterte Walter Ulbricht, als Stellvertretender Ministerpräsident auch für den Sport zuständig, Grundzüge des Sportkonzeptes der DDR-Regierung auf einer Konferenz in Leipzig. Das Ziel, so erklärte er, sei ein "wirklicher Volkssport" mit "höchsten sportlichen Leistungen". Das erfordere unter anderen die Ausbildung von Sportlehrern, den "großzügigeren Einsatz" von erfahrenen Sportspezialisten und Trainern und ein systematisches Training (Geschichte des DDR-Sports, S. 75).

Die Einstellung von einigen, bereits vor oder während der Zeit des Faschismus ausgebildeten Sportlehrern, Trainern und erfolgreichen Sportlern als Lehrkräfte oder Trainer vermochte natürlich den zunehmenden Bedarf der jungen demokratischen Sportbewegung in keiner Weise abzudecken. Auch die 1949 in Leipzig eingerichtete Deutsche Sportschule und die in den Ländern aufgebauten Landessportschulen stellten für die Ausbildung von Fachkräften durch kurzfristige Lehrgänge keine grundlegende Lösung dar. Eine neue Generation von fachlich und politisch solide ausgebildeten Sportlehrern und Trainern musste herangebildet werden.

Die auf Beschluss des 1. Jugendgesetzes vom 2. Februar 1950 einzurichtende Deutsche Hochschule für Körperkultur - übernahm dafür die Hauptverantwortung. Vor allem die seit 1952 gebildeten Schwerpunkte des Leistungssports und die ab 1954 entstehenden Sportclubs benötigten dringend qualifizierte Trainer in den verschiedenen Sportarten. Da die ersten Hochschulabsolventen frühestens ab 1952/53 zur Verfügung standen und nur zu einem geringeren Teil als Trainer eingesetzt werden konnten – Schätzungen sprechen von etwa 20 bis 25% des jeweiligen Absolventenjahrganges (Rogalski, S. 106) - machte sich neben dem Diplomsportlehrerstudium eine kurzfristige Qualifizierung von Trainern dringend erforderlich. Zu diesem Zweck wurde an der DHfK eine Trainerfakultät eingerichtet, die schon ab 12. November 1951 ihre Arbeit begann. Die Teilnehmer - unter ihnen solche bekannten Sportler bzw. Trainer wie J. Feicht, F. Gödicke, E. Mertens, E. Schmidt, A. Lätzer - waren zumeist schon als Übungsleiter oder Trainer tätig gewesen. Sie verfügten in der Regel über keine Hochschulreife und mussten mindestens 24 Jahren alt sein (Ebenda, S. 107). Anfangs (1951/52) betrug die Lehrgangsdauer lediglich fünf Wochen. Sie wurde ab 1952 auf fünf Monate und schließlich von 1953 bis 1957 auf 10 Monate erweitert. Die für diese Lehrgänge erforderlichen Ausbildungsprogramme lehnten sich an die Lehrmaterialien des Diplomsportlehrerstudiums an, konzentrierten sich jedoch inhaltlich und zeitlich auf die damals in der Sportbewegung praktisch als Trainer zu lösenden Erziehungs- und Bildungsaufgaben. Ein wichtiges Lehrgebiet bildete die Einführung in die Grundzüge einer allgemeinen Trainings- und Wettkampflehre. Auch die Vermittlung von wissenschaftlichen Erkenntnissen und von Erfahrungen aus dem sowjetischen Sport nahm einen wichtigen Platz ein. Weitere Lehrgebiete waren nach Rogalski Marxismus-Leninismus, Geschichte der Körperkultur, Pädagogik, Psychologie, Physiologie, Anatomie, Biomechanik, Bewegungslehre u. a. Ungeachtet der begrenzten Zeitdauer erhielten die Lehrgangsteilnehmer eine relativ breite Ausbildung als Grundlage für ihre weitere Tätigkeit in der Sportpraxis. Viele von den insgesamt etwa 600 Ausgebildeten entwickelten sich zu erfolgreich wirkenden Trainerpersönlichkeiten, die einen wichtigen Beitrag zum Aufstieg des DDR-Sports in die Weltspitze leisteten.

Die erste Studiendelegation von Trainern aus verschiedenen Sportarten, die 1954 zum Erfahrungsaustausch in die UdSSR reiste Abb. 3: Die erste Studiendelegation von
Trainern aus verschiedenen Sportarten,
die 1954 zum Erfahrungsaustausch
in die UdSSR reiste

Die auf Beschluss der Regierung der DDR vom 24. Juli 1952 erfolgte Bildung eines Staatlichen Komitees für Körperkultur und Sport war nicht nur für den weiteren Aufbau der DHfK außerordentlich bedeutsam. Das Komitee beförderte auch die notwendige soziale und rechtliche Absicherung der Trainer und des Trainerberufes. Bislang war ein großer Teil der Trainer nicht haupt-, sondern neben- oder ehrenamtlich tätig. Ihre Beschäftigung erfolgte sowohl in Sportgemeinschaften, in den Leistungsschwerpunkten der BSG bzw. in den späteren Sportclubs sowie in den zentralen Sektionen der Sportarten. Ihre finanzielle Vergütung war sehr unterschiedlich – nach Aussagen einzelner Trainer lag sie zwischen 450 und 600 Mark monatlich - und wirkte sich damals sogar auf den Bezug von Lebensmittelkarten aus (Röder: Dissertation, S. 301). Eine einheitliche staatliche Regelung wurde vielerorts gefordert. Die vom Ministerrat am 28. Juni 1956 beschlossene "Verordnung über die Vergütung der Trainer und Sportlehrer der demokratischen Sportbewegung" war die erste gesetzliche Verfügung des Staates zu Fragen des Trainerwesens. Sie war zugleich die erste gesetzliche Bestimmung, die je ein deutscher Staat zu diesem Berufsbereich herausgegeben hat. In ihr wurden die Vergütungssätze, die wöchentliche Pflichtstundenzahl (24 Stunden), der Jahresurlaub und die Weiterbildung der Trainer und Sportlehrer verbindlich geregelt. Eine zur gleichen Zeit in Kraft gesetzte Durchführungsbestimmung ordnete die Einstufung in verschiedene Vergütungsgruppen an. Sie berücksichtigten sowohl die Qualifikation als auch die Leistungs- bzw. Spielklasse in der der jeweilige Trainer wirkte. Bei der Qualifikation unterschied man zwischen Trainern mit mittlerer Ausbildung (5- oder 10-Monate-Lehrgang an der Trainerfakultät der DHfK) und Trainern mit abgeschlossener Hochschulausbildung (Diplom-, Turn- und Sportlehrer, ausgebildet entweder vor oder nach 1945). Durch weitere staatliche Verordnungen über Auszeichnungen auf dem Gebiet von Körperkultur und Sport wurden schließlich Maßnahmen eingeführt, die gleichermaßen zur staatlichen und gesellschaftlichen Anerkennung des Trainerberufes und der Trainertätigkeit in der DDR beitrugen.

Mein Trainer Paul Kautz (links) - Wettkampfbetreuung bei den DDR-Mehrkampfmeisterschaften 1955 in Leipzig Abb. 4: Mein Trainer Paul Kautz (links) -
Wettkampfbetreuung bei den
DDR-Mehrkampfmeisterschaften
1955 in Leipzig

Wichtige Impulse zur inhaltlichen Gestaltung der Arbeit der Trainer kamen durch zwei zentrale Trainertagungen – im April 1953 sowie im Mai 1955 – unter Leitung des Staatlichen Komitees für Körperkultur und Sport. Im Mittelpunkt standen die politisch-erzieherische Verantwortung der Trainer, die Notwendigkeit die Leistungsentwicklung und das Training der Sportler zunehmend zu planen sowie die verstärkte Anwendung von Erkenntnissen der sowjetischen Sportwissenschaft. Von 1951 bis 1958 fanden in der DDR 33 Trainingslehrgänge statt, in denen sowjetische Trainer ihre reichen Erfahrungen an ihre Kollegen in der DDR vermittelten (Ebenda, S.302). Eine besondere Bedeutung kam auch einer Trainerdelegation zu, die im November 1954 für etwa drei Monate in die Sowjetunion reiste, um die Erfahrungen des sowjetischen Sports zu studieren. Die dort gewonnenen Erkenntnisse bestimmten nachhaltig den Aufbau von Trainerräten, den Einsatz von verantwortlichen Trainern in den Sektionen (später Verbandstrainer) sowie von Bezirkstrainern in den einzelnen Sportarten.

Versucht man unter dem Aspekt des Trainerwesens die Zeitspanne zwischen 1949 und 1957 zusammen zu fassen, so war sie vor allem geprägt von der Gewinnung und zumeist kurzzeitigen Ausbildung von Trainern für den staatlicherseits als Bestandteil einer breiten Volkssportbewegung zunehmend geförderten Wettkampf- und Leistungssport. Erste staatliche Verordnungen schufen Voraussetzungen für die gesellschaftliche Anerkennung und Sicherstellung des Trainerberufes. Die Tätigkeit des Trainers gewann inhaltlich zunehmend an Konturen.