Zur gesellschaftlichen Stellung des Trainers

Die mit diesen Namen und Beispielen verbundene gesellschaftliche Anerkennung der Tätigkeit der Trainer und des Trainerberufes gründete sich in erster Linie auf die Rolle des Sports und seine umfangreiche staatliche Förderung als ein wichtiger Bestandteil einer kulturvollen, sozialistischen Lebensweise. Von Beginn an standen Körperkultur und Sport auf der Agenda der im Oktober 1949 gewählten Regierung. Bereits ein Jahr später wurde das Erste Gesetz zur Förderung der Jugend und des Sports beschlossen in dem, weit in die Zukunft gerichtet, unter anderen der Aufbau der Deutschen Hochschule für Körperkultur und Sport (DHfK) in Leipzig geplant war. Die Hochschule wurde zur zentralen Ausbildungsstätte von Tausenden Diplomsportlehrern und Trainern, die maßgeblich an der Entwicklung des Kinder- und Jugendsports, des Breiten- und des Leistungssports mitwirkten. Weitere Meilensteine waren viele auf den Sport bezogene staatliche Beschlüsse sowie die Verankerung von Körperkultur, Sport und Touristik als wichtige Elemente der sozialistischen Kultur in der Verfassung der DDR. Von hoher Bedeutung für die Ausgestaltung des Trainerwesens und der Rolle der Trainer waren auch die langfristig angelegten Leistungssportbeschlüsse, kollektiv erarbeitete Materialien, die von den Leitungsgremien der SED und dem Ministerrat der DDR beschlossen und mit der Autorität dieser Gremien vom Deutschen Turn- und Sportbund, dem Staatssekretariat für Körperkultur und Sport, dem Ministerium für Volksbildung sowie weiteren gesellschaftlichen Institutionen nachhaltig umgesetzt wurden. Auf dieser Basis kam es nicht nur zu einer erheblichen Vergrößerung der Anzahl der Trainer, sondern vor allem zu einer inhaltlichen Profilierung und zu einer gesellschaftlichen Aufwertung des Trainerberufs und der Trainer in der DDR.

Einen starken Einfluss übte die internationale Verbreitung des Leistungssports und der Olympischen Bewegung auf die Entwicklung des Trainerwesens und des Trainerberufes aus. Das rasche zahlenmäßige Anwachsen neuer Sportarten und internationaler Meisterschaften, die durch die modernen Massenmedien erheblich verstärkte Ausstrahlung der Olympischen Spiele, das erfolgreiche Auftreten der sowjetischen Sportmannschaft bei den Olympischen Spielen 1952, die Wirksamkeit sportlicher Erfolge in der Systemauseinandersetzung zwischen sozialistischen und kapitalistischen Ländern und die damit verbundenen staatliche Förderung des Spitzensports in immer mehr Ländern trugen direkt und indirekt zu einer öffentlichen Aufwertung der Tätigkeit des Trainers und der Berufsgruppe der Trainer bei. In den beiden deutschen Staaten waren diese Veränderungen besonders deutlich nachzuweisen. Beeinflusst durch das Beispiel des DDR-Sports wie auch der Erfahrungen anderer Länder setzte sich auch in der BRD die Praxis durch, dass die Vorbereitung von Athleten auf Spitzenleistungen in nahezu allen Sportarten der Betreuung durch fachlich befähigte Trainer bedarf. In den gesellschaftlichen Ansprüchen, in den inhaltlichen Aufgaben und in den Anforderungen an ihre Persönlichkeit bestanden deutliche Unterschiede zwischen dem Trainer in der DDR und in der BRD. Sie ergaben sich nicht nur aus den an den Trainer gerichteten unterschiedlichen gesellschaftlichen Erwartungen. Sie entstanden vor allem auch aus dem in der DDR bestehenden erziehungswissenschaftlichen Verständnis vom dem, vom Trainer geleiteten Training als einem pädagogischen Prozess. In diesem Sinne war Training nie nur Ausbildung, sondern Bildung und Erziehung in ihrer ganzen Komplexität. Die alte, enge Auffassung vom Trainer als "Ausbilder" oder "Coach" wurde im Sport der DDR weitestgehend überwunden. Der Trainer war in der DDR eine sozialistische Erzieherpersönlichkeit, die gemeinsam mit den ihm anvertrauten Sportlern das Training als einheitlichen pädagogischen Prozess der Bildung und Erziehung plante, durchführte und leitete. Das Ziel dieses besonderen pädagogischen Prozesses bestand darin, die Sportler zu Höchstleistungen in der betreffenden Sportart zu führen und sie in Einheit damit als allseitig – das heißt körperlich, geistig und moralisch – entwickelte Menschen zu fördern. Zwischen Sportler und Trainer entwickelte sich in diesem Prozess der Leistungs- und Persönlichkeitsausprägung eine enge Partnerschaft. Die Vielfalt und die inhaltlichen Ansprüche, die mit diesen Aufgaben verbunden waren, konnten durch einen ehrenamtlich tätigen Übungsleiter nicht gewährleistet werden.
Eine derartige Auffassung führte unter den gesellschaftlichen Bedingungen der DDR folgerichtig zu vier Konsequenzen:

Berufliche Tätigkeit und akademische Ausbildung stellten den Trainer in eine Reihe mit dem Lehrer und Erzieher, deren berufliches Wirken in der DDR eine hohe Wertschätzung genoss. Vergleichbar mit ihnen, war der Trainer eine wichtige Vertrauensperson, die nicht nur für die fachlich hochqualifizierte Vorbereitung der ihm anvertrauten jungen Sportler verantwortlich zeichnete, sondern die sich zugleich um deren allseitige Persönlichkeitsentwicklung, einschließlich der schulischen und beruflichen Ausbildung kümmerte. Ein vertrauensvolles Zusammenwirken mit den Sportlern, den Eltern und den Familien stellte die Regel dar. Die breite und solide Ausbildung des Trainers auf sportwissenschaftlichem, gesellschafts- und naturwissenschaftlichem Gebiet gewährleistete seine Kommunikations- und Kooperationsfähigkeit zu wichtigen Partnern aus den Bereichen der Wissenschaft und Forschung, zu Ärzten, Ingenieuren und Technikern. Der Beruf des Trainers genoss in der Gesellschaft der DDR Ansehen und Vertrauen. Für viele Athleten und sportinteressierte junge Menschen war dieser Beruf ein persönlich anzustrebendes Lebensziel.

Die hier skizzierte Stellung des Trainers und des Trainerberufs beruhte auf einer vom sozialistischen Staat gesicherten sozialen, arbeitsrechtlichen und finanziellen Basis. Ein Kernstück bildete ein einheitliches Vergütungssystem, das von wichtigen zusätzlichen Formen der Leistungsstimulation ergänzt wurde. Ein zwischen dem Deutschen Turn- und Sportbund (DTSB), der Gewerkschaft (FDGB) und den zuständigen staatlichen Einrichtungen vereinbartes Gehaltsregulativ für Trainer regelte deren Entlohnung. Es orientierte sich im Grundgehalt an vergleichbaren Berufen, wie zum Beispiel dem des Sportlehrers in der Volksbildung und entsprach in seiner Höhe dem in der DDR allgemein gültigen (nicht zu hohen) Normen. Den Besonderheiten des Leistungssports Rechnung tragend, konnte dieses Grundgehalt durch Leistungszuschläge (in Stufen bis zu maximal 1200 Mark) sowie durch Funktionszuschläge (bis zu 400 Mark) wesentlich aufgestockt werden. Aller vier Jahre erfolgte nach den Olympischen Spielen eine Neueinstufung der Trainergehälter. Für die im Nachwuchsleistungssport tätigen Trainer wurde in den achtziger Jahren die Gehaltseinstufung aller zwei Jahre eingeführt. Bereits in den 60-er Jahren wurde die Gehaltseinstufung der Trainer durch ein Prämiensystem ergänzt. Es zielte konsequent auf die Leistungsstimulation der Sportler und Trainer und das Erreichen von Siegen und Spitzenleistungen bei internationalen Wettkampfhöhepunkten. Ein ganz wesentlicher Vorzug dieser Prämienordnung bestand darin, dass sie alle olympisch geförderten Sportarten gleich bewertete.

Lediglich für Fußball gab es Ausnahmen. Auch Leiter, Wissenschaftler, Sportärzte und Techniker konnten einbezogen werden, sofern sie direkt in den Vorbereitungsprozess der Athleten mit eingebunden waren. Dieses Prämiensystem, im Verlaufe der Jahre mehrfach aktualisiert, erwies sich als ein starker materieller Anreiz. Darüber hinaus wurden die Leistungen der Sportler und ihrer Trainer nach Olympischen Spielen mit hohen staatlichen Orden und Auszeichnungen geehrt. Trainer von Athleten, die bei Olympischen Spielen Medaillen erkämpft hatten, kamen in den Genuss von Urlaubsreisen und anderen Vergünstigungen. Auch der Ehrentitel "Verdienter Meister des Sports" war eine von Trainern begehrte Auszeichnung. Ebenso gehörte es zu den Selbstverständlichkeiten, dass bei den Ehrungen der besten Sportler eines Jahres in der Regel auch deren Trainer geehrt bzw. genannt wurden. Bei den Kinder- und Jugendspartakiaden erfolgte die Ehrung der erfolgreichen jungen Sportler gemeinsam mit ihren Trainern bzw. Übungsleitern. Über Jahre gewachsen, entstand auf diese Weise ein ganzes System von ideellen und materiellen Anreizen, das Sportler und Trainer zu hohen Leistungen stimulierte und das in dieser Form damals wohl einmalig im internationalen Sport wie in der DDR selbst war.