Zur Leitung und Planung der Leistungssportforschung

Wie im Abschnitt 2, so konzentrieren sich unsere Aussagen zur Leitung, Planung und Organisation auf die Forschung im Leistungssport. Planungs- und Leitungsaspekte der Entwicklung von Mess- und Sportgeräten sowie von Sportartikeln wurden berücksichtigt, sofern sie in engem Zusammenhang zur (sportwissenschaftlichen) Forschung standen. Unsere Ausführungen stützen sich, neben den eigenen Kenntnissen und Erfahrungen, vor allem auf die in den achtziger Jahren gültigen Beschlüsse zur Forschung im Leistungssport, insbesondere auf die bestehenden Forschungsordnungen. Diese Ordnungen sollten einen weitgehend einheitlichen und effizienten Ablauf der Forschung, ihrer Planung und Leitung gewährleisten. Auf einen Beschluss der Leistungssportkommission zurückgehend, entstand eine erste "Ordnung der Forschung" im Jahr 1966. In größeren Zeitabständen wurden diese Ordnungen überarbeitet bzw. neu verfasst. Wir stützen uns vorwiegend auf den 1988 in der Diskussion befindlichen Entwurf der "Ordnung für Forschung und Entwicklung im Leistungssport" vom 21.4.1988 (15).

Die Leitung und Planung der Forschung im Leistungssport umfasste im wesentlichen die Festlegung der Ziele und Aufgaben, der Kräfte, Mittel und Verantwortlichkeiten für die Forschung sowie die Regelung, Organisation und Optimierung der Forschungstätigkeit und der Kooperation der in die Forschung einbezogenen Wissenschaftseinrichtungen und wissenschaftlichen Gremien. In unseren Darlegungen konzentrieren wir uns auf vier Komplexe.


Forschung mit Auftraggebern und Auftragnehmern

Was die Zusammenarbeit von Forschern und Technikern mit den Vertretern der Sportpraxis und die Bildung entsprechender Kollektive betrifft, so hatte sich über Jahre eine vertragsgebundene Gemeinschaftsarbeit von Auftragnehmern und Auftraggebern entwickelt und bewährt. Sie baute auf Erfahrungen der Forschungskooperation zwischen der Akademie der Wissenschaften und der Universitäten und Hochschulen mit den Kombinaten und Betrieben in der DDR auf. Die entsprechenden Verträge enthielten Vereinbarungen über die gemeinschaftliche Lösung der Aufgaben, über die Organisation der Gemeinschaftsarbeit und über die Bildung gemeinsamer Forschungs-, Entwicklungs- oder Überführungskollektive. Sie umfassten alle Arbeitsphasen des Forschungsprozesses, von der Planung der Aufgaben, über die Realisierung und Abrechnung bis hin zur Überführung der Ergebnisse in die Praxis. Diese Verträge bildeten die Arbeits- und zugleich auch Abrechnungsbasis für den vereinbarten Vertragszeitraum. Die Forschung im Sport baute auf diesen Erfahrungen auf.

Die oben genannte Forschungsordnung definierte die Rechte und Pflichten der beiden Seiten wie folgt:

Dem Auftraggeber obliegt:


Dem Auftragnehmer obliegt:

Wie bereits erläutert, war der DTSB hauptsächlicher Auftraggeber der Forschungs- und Entwicklungsvorhaben im Leistungssport. In der Regel nahmen Vizepräsidenten, Abteilungsleiter und die Generalsekretäre der Sportverbände die Funktion als Auftraggeber wichtiger Forschungsprojekte und -themen wahr. Eine Analyse des Themenplanes zur Grundlinie für Forschung und Entwicklung im Leistungssport für den Zeitraum 1980 – 1984 (16) ergab zum Beispiel, dass etwas mehr als 70% aller Auftraggeber durch die Sportverbände und weitere 24,6% durch die Bereiche und Abteilungen des Bundesvorstandes des DTSB gestellt wurden. Darüber hinaus übernahmen auch die Gesellschaft für Sport und Technik (Sportschießen), der Sportmedizinische Dienst und die DHfK die Aufgaben des Auftraggebers für einzelne Forschungsprojekte. Bei den Auftragnehmern standen die Hochschule für Körperkultur (44,8%) und das Forschungsinstitut (36,2%) an der Spitze, wobei das FKS zumeist federführend die Verantwortung für die großen Komplexthemen des Hochleistungssports trug. Der Sportmedizinische Dienst und die Sportwissenschaftlichen Sektionen der Universitäten wiesen ein Anteil von jeweils 5,2 Prozent auf. Bei der Planung der wissenschaftlich-technischen Entwicklungsaufgaben übernahm vor allem das Staatssekretariat für Körperkultur und Sports mit seinen Bereichen und Abteilungen sowie eine Reihe von Sportverbänden, in denen das Wettkampfgerät einen die sportliche Leistung mitbestimmenden Einfluss hatte, die Verantwortung als Auftraggeber.

Über die Vorzüge dieser Gemeinschaftsarbeit von Wissenschafts- und Praxispartnern haben wir uns teilweise schon in den Abschnitten 1. und 2. geäußert. Sie stärkte das Interesse und die gemeinsame Verantwortung für die wissenschaftliche Arbeit und die vereinbarten Forschungsaufgaben, sie erleichterte den Wissenschaftlern den Zugang zur Sportpraxis und zu dem Erfahrungsschatz der Praktiker wie auch umgekehrt und sie unterstützte maßgeblich die schnelle und konsequente Überführung der gewonnenen Ergebnisse in die Praxis. In den 80er Jahren wurde zunehmend auch darüber diskutiert, ob diese auftragsgebundene Forschung nicht noch effizienter gestaltet werden könnte, wenn sie, wie in der Akademie- und Hochschulforschung mit den Kombinaten und Betrieben, nach den Prinzipien der wirtschaftlichen Rechnungsführung gestaltet würde. Das hätte bedeutet, dass der Auftraggeber dem Auftragnehmer die Forschungsleistungen direkt bezahlt. Da im Bereich des Sports sowohl das Staatssekretariat für Körperkultur und Sport als auch der DTSB seine finanziellen Mittel vorrangig aus dem Staatshaushalt erhielt, hätte das lediglich zu einer mit hohen bürokratischen Aufwand verbundenen Umschichtung der Finanzmittel von einer Hand in die andere geführt. Es blieb also bei einer Finanzierung der Forschung aus dem Mitteln des Staatshaushaltes auf der Grundlage der jährlichen Haushalts- und Finanzpläne der Einrichtungen. Anders war die Lage auf dem Sektor der Entwicklung und des Baus von wissenschaftlich-technischen Geräten. Sofern sie durch Verträge mit Herstellern und Betrieben außerhalb des Sports vereinbart wurde, erfolgte die Finanzierung durch den Auftraggeber aus dem Sport bzw. der Sportwissenschaft.


Zur Planung der Leistungssportforschung

Die Planung der Forschungsaufgaben und -themen vollzog sich allgemein in drei Schritten: die Auswahl, die Beratung und die Bestätigung der Themen. Der Forschungsordnung nach bestand eine der wichtigsten Aufgaben des Auftraggebers in der Bestimmung der Richtungen der Forschung, während der Auftragnehmer für die Ausarbeitung dieser Richtungen in Form von Forschungskonzeptionen verantwortlich zeichnete. Damit verbanden sich zum Teil überhöhte Erwartungen an das wissenschaftlich-theoretische Leistungsvermögen des Auftraggebers. Die Erfahrung zeigte, dass die von Beginn an gemeinsame Erarbeitung der Richtungen, Ziele und Aufgaben der effektivste Weg war, neue Forschungsthemen von hoher Praxisrelevanz und hohem wissenschaftlich-theoretischen Anspruch zu bestimmen. Die Sportpraxis vermittelte dafür immer wieder wichtige Impulse, wie sich am Beispiel der Olympischen Spiele 1964 in Tokio und 1968 in Mexiko-City zeigte. Über Jahre rückte die Forschung zur psychophysischen Anpassung und zur Trainings- und Wettkampfgestaltung unter den Bedingungen extremer Zeitverschiebungen und des Aufenthalts unter Höhenbedingungen in das Zentrum wissenschaftlicher Arbeit. Die mit den deutsch-deutschen Ausscheidungswettkämpfen vor den Olympischen Spielen und weiteren internationalen Wettkampfhöhepunkten verbundenen Probleme führten praktisch zu der Folgerung, die zwischen diesen Wettkämpfen liegende Trainingsphase näher zu untersuchen und sie als eine eigene Phase der unmittelbaren Wettkampfvorbereitung zu gestalten. Ebenso entstanden aus der Entwicklung neuer Wissenschaftsdisziplinen, wie beispielsweise der Kybernetik, wichtige Anstöße für sportartspezifische und übergreifende Untersuchungen zur Steuerung und Regelung des Trainings und der Leistungsentwicklung. In den Grundsatzbeschlüssen der Leistungssportkommission und anderen strategischen Materialien zusammengefasst, bildeten diese praktischen Probleme eine wichtige Grundlage für die Ableitung von konkreten Forschungsaufgaben, Forschungskonzeptionen und Leistungsvereinbarungen. Hinzu kamen viele weitere spezifische Fragestellungen aus den Sportarten wie auch aus den verschiedenen Wissenschaftsdisziplinen selbst.

Eine überaus wichtige Rolle spielte die Beratung der geplanten Forschungsthemen in Fachgremien inner- und außerhalb der sportwissenschaftlichen Einrichtungen. Vor allem die am FKS und an der DHfK bestehenden Wissenschaftlichen Räte und Beiräte übernahmen die Aufgabe der Beratung von Forschungsprojekten wie auch der Verteidigung von Forschungsergebnissen. In diesen Gremien wirkten hochqualifizierte Fachkräfte, die besonders die theoretisch-methodische Anlage, den interdisziplinären Ansatz und die gewählten Forschungsmetoden zu beurteilten vermochten. Sie kamen hauptsächlich aus den beiden Einrichtungen selbst, aber auch außerhalb tätige, ausgewählte Wissenschaftler gehörten ihnen an. Als fachlich-inhaltliches Leitzentrum trug das Forschungsinstitut nicht nur die Verantwortung für die eigenen Themen, sondern zunehmend auch für die inhaltliche Betreuung aller Forschungsprojekte. Als "zentrales Organ" des FKS als Leitzentrum wirkte das Präsidium des Wissenschaftlichen Rates (18). Es befasste sich vorwiegend mit "übergreifenden, komplexen und strategischen Fragen der Leistungssportforschung". Bei den vier Fakultäten (Trainingsmethodik, Gesellschaftswissenschaften, Sportmedizin und Biowissenschaften sowie Natur- und technische Wissenschaften) bestanden Fachkommissionen, die für die fachlich-inhaltliche Beratung in den einzelnen Wissenschaftsdisziplinen zuständig waren. Der Arbeitsgegenstand der Wissenschaftlichen Beiräte der Sportartengruppen, vier am FKS, die Sportspielarten an der DHfK, bestand im Wesentlichen in der Beratung von sportartspezifischen Themen sowie in der wissenschaftlichen Vertiefung der Theorie und Methodik der Sportartengruppen. Neben diesen Gremien innerhalb der beiden großen Wissenschaftseinrichtungen bestanden auch weitere Möglichkeiten der Beratung und Verteidigung von Forschungsthemen und –ergebnissen in den Arbeitskreisen der Sportartengruppen, in den Trainerräten oder Wissenschaftskommissionen der Sportverbände des DTSB. Hierbei handelte es sich zumeist um ausgewählte Projekte der sportartspezifischen Forschung. Insgesamt gesehen, bestand also zwischen der Auswahl der Themen und ihrer Bestätigung eine sehr wirkungsvolle Ebene von wissenschaftlichen Beratungsorganen zu übergreifenden und sportartspezifischen Forschungsvorhaben. Durch diese aufwendige, aber inhaltlich unverzichtbare Arbeit gestützt, erarbeiteten die Forschungsgruppen ihre Forschungskonzeptionen für den entsprechenden Olympiazyklus. Vom FKS als Forschungs- und Themenplan zusammengefasst, bestätigte die Arbeitsgruppe Wissenschaft diese Konzeptionen. Unter der Verantwortung der Arbeitsgruppe entstand auf dieser Grundlage für den Zeitraum eines Olympiazyklus ein Material über die Grundrichtungen der Forschung und Entwicklung, das als Vorlage der Leistungssportkommission zur Bestätigung unterbreitet wurde.

Die inhaltliche Bewertung der erzielten Ergebnisse erfolgte nach zwei Jahren als Zwischeneinschätzung und als Abschlusseinschätzung am Ende eines Olympiazyklus. Die zwischen Auftragnehmer und Auftraggeber abgeschlossenen Leistungsverträge hatten in der Regel eine Laufzeit von einem Jahr. Sie enthielten für diesen Zeitraum die konkreten, terminlich fixierten Leistungen beider Partner. Ihre jährliche Abrechnung trug vorrangig einen leitungspolitischen Charakter.


Zur Verantwortung der zentralen Leitungen auf dem Gebiet der Leistungssportforschung

Als zentrale Leitungsorgane, die auf dem Gebiet der wissenschaftlichen Arbeit im Leistungssport eine Verantwortung wahrzunehmen hatten, wirkten in der DDR das Staatssekretariat für Körperkultur und Sport, der Bundesvorstand des DTSB sowie die Leistungssportkommission der DDR und ihre Arbeitsgruppe Wissenschaft. Die Grundlage ihrer Arbeit bildeten die von der Leistungssportkommission vorbereiteten und von der Partei- und Staatsführung der DDR bestätigten Leistungssportbeschlüsse. Die Beschlüsse zur Forschung im Leistungssport bauten auf diesen Dokumenten auf. In der "Grundlinie für Forschung im Leistungssport 1984 – 1988" (17) wurden die Hauptaufgaben der zentralen Leitungen des Sports bei der Planung, Leitung und Organisation der Forschung folgendermaßen zusammengefasst:

"Die Hauptaufgabe in der Leitungstätigkeit besteht darin, eine spürbare Erhöhung der Effektivität der Forschungsprozesse sowie eine weiterentwickelte Qualität der Verflechtungsbeziehungen zwischen den Forschungskollektiven und den Praxispartnern des DTSB der DDR zu erreichen. Das Prinzip der Konzentration in der Leistungssportforschung ist sowohl durch die Auftraggeber als auch durch die Auftragnehmer mit größerer Konsequenz durchzusetzen. Die Leitungstätigkeit konzentriert sich auf folgende Schwerpunkte:

Das Staatssekretariat für Körperkultur und Sport (STKS) sichert in seiner Verantwortung als staatliches forschungsleitendes Organ:

Die genannten Aufgaben lassen erkennen, dass sich die Verantwortung des Staatssekretariats besonders auf die leitungspolitische Anleitung und Kontrolle der unterstellten Einrichtungen, auf die Sicherung der materiellen und finanziellen Voraussetzungen und auf die Gewinnung neuer Forschungskapazitäten außerhalb des Sports konzentrierte. Die inhaltliche Ausrichtung und Steuerung der Forschung selbst vollzog sich in stärkerem Maße über das FKS als fachlich-inhaltliches Leitzentrum, über den DTSB als Hauptauftraggeber und über die Arbeitsgruppe Wissenschaft der Leistungssportkommission. Innerhalb des Staatssekretariats wurden die oben formulierten Aufgaben vorrangig durch den Stellvertreterbereich Wissenschaft und der Abteilung Forschung wahrgenommen.

"Der Bundesvorstand des DTSB der DDR nimmt seine Verantwortung als Hauptauftraggeber für die Leistungssportforschung wahr, vor allem durch:

Innerhalb des DTSB waren diese Aufgaben vorrangig durch den Bereich Wissenschaft und Trainingswesen, durch die Abteilungen Wissenschaft, Trainingsmethodik und Nachwuchsleistungssport und natürlich durch die Leitungen der Sportverbände zu erfüllen.


Abb. 37: Fahrradergometer, das mit seinen
hohen Widerstandswerten alsTrainingsgerät
in den Sportclubs von den Bahn-
und Straßenrennfahrern der DDR genutzt wurde
'Täve' Schur und der Author im Friedensfahrtmuseum in Kleinmühlingen bei Magdeburg, Magdeburg 2010
Abb. 36: "Täve" Schur und
der Author im Friedensfahrt-
museum in Kleinmühlingen
bei Magdeburg, März 2010

Neben dem Ausbau der komplexen Verantwortung der Leitungen der Sportverbände für die Wissenschaftsarbeit in den Sportarten, erwies sich die Einbindung der Trainer in die sportspezifische Forschung immer mehr als ein Faktor von strategischer Bedeutung. Wir sahen darin einen wichtigen Vorzug des Sports in der DDR. In den für die Olympiazyklen bis 2000 erarbeiteten Plänen wurde diese zu verstärkende Integration der Trainer in die Forschungsarbeit als eine der wichtigsten Aufgaben gekennzeichnet.

Über die hier dargestellte arbeitsteilige Aufgabenstellung von Staatssekretariat und DTSB hinaus, trug die Leistungssportkommission der DDR (LSK) eine übergreifende Verantwortung für den Leistungssport und die Leistungssportforschung insgesamt. Sie hatte, wie es in den Arbeitsrichtlinien für die Kommission hieß, "die straffe und komplexe Leitung des Leistungssports in der DDR in den Fragen der Prognostik, der Perspektivplanung, der wissenschaftlichen Forschung und Anwendung der wissenschaftlichen Erkenntnisse in der Praxis, der Ausbildung der Leistungssportler und des Nachwuchses im Hinblick auf die Olympischen Spiele, Welt- und Europameisterschaften sowie auf andere bedeutende internationale Wettkämpfe" zu gewährleisten.(19). Die Grundlage der Beschlüsse des Politbüros und des Sekretariats des Zentralkomitees der SED zum Leistungssport sowie der darauf beruhenden Beschlüsse bzw. Festlegungen des Bundesvorstandes des DTSB, des Staatssekretärs für Körperkultur und Sport sowie der Minister für Volksbildung und für das Hoch- und Fachschulwesens hatte die LSK das Recht zu allen Fragen des Leistungssports in der DDR Entscheidungen zu treffen, die von den Mitgliedern der Kommission in ihrem Verantwortungsbereich durchzuführen waren. Das vermittelte der Kommission eine hohe Autorität und gab ihr weitreichende Vollmachten, die ein zielgerichtetes, weitgehend einheitliches und effizientes Vorgehen aller im Leistungssport beteiligten Einrichtungen und Kräfte ermöglichten. Was die wissenschaftliche Arbeit im Leistungssport anbetraf, so enthielt die Richtlinie unter anderen die folgende Aufgaben, die es durch die Leistungssportkommission zu beschließen und zu gewährleisten galt:

Zur Lösung dieser grundsätzlichen Aufgaben bestand bei der Leistungssportkommission die Arbeitsgruppe Wissenschaft. Als Beratungs- und Arbeitsorgan der LSK hatte diese Gruppe einen relativ breiten Kreis von inhaltlichen und wissenschaftsorganisatorischen Aufgaben wahrzunehmen. Sie war dazu von der LSK mit einem relativ hohen Maß an Selbstständigkeit ausgestattet. Aus Gründen der Vollständigkeit und der Authentizität zitieren wir auch hier die Aufgaben nach der vom Vorsitzenden der LSK bestätigten "Ordnung über Stellung, Aufgaben und Arbeitsweise der Arbeitsgruppe Wissenschaft der Leistungssportkommission der DDR" (20).

"Die AG ist verantwortlich für:

Die AG bestätigt:

Die AG begutachtet:

Die AG unterstützt:

Die Leitung der Arbeitsgruppe hatte der für Wissenschaft zuständige Stellvertreter des Staatssekretärs für Körperkultur und Sport, weitere Mitglieder waren der zuständige Vizepräsident des DTSB-Bundesvorstandes und der Direktor des FKS als Stellvertreter sowie der Rektor und der für Wissenschaftsentwicklung verantwortliche Prorektor der DHfK, die Direktoren des SMD, des Zentralinstituts Kreischa, der FES, der 1. Stellvertreter des Direktors des Forschungsinstitutes sowie die Leiter der Fachabteilungen im Staatsekretariat und im DTSB. Auch für die Arbeitsgruppe galt, dass die Verbindlichkeit der Festlegungen durch Weisungen der Mitglieder der AG gesichert wurde. In der Regel kam die AG vier- bis fünfmal im Jahr zu ihren Tagungen zusammen. Ergänzend dazu führte der Vorsitzende, unterstützt von einzelnen Mitgliedern der AG, jährlich eine Reihe von Rapporten in den verschiedenen Wissenschaftseinrichtungen durch. Zudem konnte sich die Arbeitsgruppe bei der Lösung ihrer Aufgaben auf die Mitarbeit des FKS und der zuständigen Fachabteilungen des Staatssekretariats und des DTSB stützen und zu fachspezifischen Problemen Fachkommissionen bilden. Das alles sicherte maßgeblich das Entscheidungs- und Durchsetzungsvermögen der Arbeitsgruppe.


Prognostische Arbeiten für den Zeitraum bis zum Jahr 2000

Einer der leitungspolitischen Schwerpunkte der Leistungssportkommission und ihrer Arbeitsgruppe Wissenschaft bestand in ihrer Verantwortung für die prognostische Arbeit. Gestützt auf die Auffassung von einem planmäßigen Aufbau der sozialistischen Wirtschaft und der Gesellschaft insgesamt, bedurfte auch die Entwicklung des Sports, des Leistungssports und der Sportwissenschaft einer langfristigen, vorausschauenden Planung und Prognose. Es galt der Anspruch, die prognostische Arbeit zu einem wesentlichen und ständigen Bestandteil der Leitungstätigkeit zu machen. Bereits in den fünfziger Jahren des vorigen Jahrhunderts begann der Übergang von einer mehr oder minder kurzfristigen zur mittelfristigen Planung im Sport. Analog zu den Fünfjahresplänen in der Volkswirtschaft, bot sich für den Leistungssport eine Planung von Olympiazyklus zu Olympiazyklus an. Das führte in der DDR zu den bekannten Leistungssportbeschlüssen. Wissenschaftlich begründet, erwies sich die Leistungs- und Persönlichkeitsentwicklung von Sportlern der Spitzenklasse immer mehr als ein langfristiger Prozess, der zumeist über mehrere olympische Zyklen verlief. Die Berechenbarkeit sportlicher Leistungen und des Trainingsaufwandes, die Zusammenführung von Hochleistungs- und Nachwuchsleistungssport sowie das Erkunden von Gesetzmäßigkeiten der Leistungssteigerung durch die Wissenschaft ermöglichten zunehmend Vorarbeiten prognostischer Art. Die im März 1969 vorgelegte "Grundlinie der Entwicklung des Leistungssports in der DDR bis 1980" war das erste Dokument im Sport, das den Charakter einer prognostischen Vorausschau trug. Aufbauend auf einigen ausgewählten Leistungsprognosen in der Leichtathletik, im Sportschwimmen und im Gewichtheben für das Jahr 1980, markierte die Grundlinie die Hauptrichtungen der weiteren Entwicklung unseres Leistungssportsystems über den Zeitraum von 12 Jahren. Der Kreis der behandelten Fragen reichte von der Verbreiterung der Basis des Nachwuchssportes über den Ausbau des Förder-, Trainings- und Sichtungssystems bis hin zur höheren Wirksamkeit von Wissenschaft, Technik und Leitungstätigkeit. In Kontext mit den Beschlüssen zu den einzelnen Olympiazyklen erfolgte auf der Basis dieses prognostischen Dokumentes der weitere erfolgreiche Aufbau des Leistungssportsystems in der DDR. Auf einen anderen wichtigen Aspekt des Beschlusses von 1969 sei noch hingewiesen: Er war von außerordentlichem Wert für die ideologische und fachlich-inhaltliche Motivierung der Sportler, der Übungsleiter und Trainer, der Wissenschaftler, Sportmediziner und Leiter und stärkte ihre individuelle und kollektive Leistungsbereitschaft im Kampf um künftige Weltspitzenleistungen.

Diesem Beschluss folgten in den 80er Jahren weitere prognostisch ausgerichtete Materialien. Neben der "Grundlinie für die perspektivische Entwicklung des Leistungssports der DDR bis zum Jahre 2000" (21) sei hier besonders auf die "Konzeption einer weiterentwickelten Forschungsstrategie im Leistungssport" (22) hingewiesen. Diese "Forschungsstrategie 2000" entstand im Auftrage der LSK bereits 1987, vorbereitet von einer gemeinsamen Arbeitsgruppe des FKS, der DHfK und des SMD. Beide Materialien wurden weitgehend parallel erarbeitet und sicherten so die Übereinstimmung von Leistungssportstrategie und Forschungsstrategie. Damit verfügte der Leistungssport in der DDR über ein Gesamtkonzept für den Zeitraum bis zum Jahre 2000. Die in diesen Dokumenten formulierten Denkanstöße, Thesen und Grundrichtungen einer langfristig ausgerichteten sportpraktischen und sportwissenschaftlichen Arbeit sind auch heute noch von Interesse und Bedeutung. Sie widerspiegeln beispielhaft die produktive Kraft einer vorrangig an der Praxis orientierten komplexen Sportwissenschaft wie sie in der DDR bestand.

  1. Weisung des Staatssekretärs 1/81 zur Arbeit auf dem Gebiet der Erfinder- und Schutzrechtstätigkeit im Verantwortungsbereich des Staatssekretariats für Körperkultur und Sport