Wissenschaftspolitische und wissenschaftstheoretische Grundlagen der Sportwissenschaft in der DDR2

Der Sporthistoriker und langjährige Staatssekretär für Körperkultur und Sport, Prof. Dr. Günter Erbach gemeinsam mit Dr. Heidi Kunath auf dem Internationalen Symposium Körperkultur und Sport in der Lebensweise der Menschen 1981 in Halle/Saale
Abb. 4: Der Sporthistoriker und langjährige
Staatssekretär für Körperkulturund Sport,
Prof. Dr. Günter Erbach
gemeinsam mit Dr. Heidi Kunath
auf dem Internationalen Symposium
"Körperkultur und Sport in der Lebensweise
der Menschen" 1981 in Halle/Saale

Der von Marx und Engels begründete historische und dialektische Materialismus wurde zur wichtigsten theoretischen und methodologischen Grundlage für die sportwissenschaftliche Arbeit auf dem Gebiet der Lehre, der Forschung und Wissenschaftsentwicklung in der DDR. Die Anwendung dieser Theorie und Methode trug in den vier Jahrzehnten des Bestehens maßgeblich zu dem erreichten hohen Erkenntnis- und Wissensstand bei. Der von einigen Wissenschaftlern und auch Sportwissenschaftlern nach der Implosion der DDR und anderer sozialistischer Staaten in Europa vorschnell verkündete "Tod des Marxismus" erwies sich als peinliche Fehlinterpretation. Im Gegenteil: Die gegenwärtige globale Finanz- und Wirtschaftskrise des Kapitalismus bekräftigt nachdrücklich die starke Erklärungs- und Beweiskraft dieser Lehre. In der vom Pluralismus geprägten heutigen Wissenschaftslandschaft erweist sie sich als effizient und nach wie vor als ein wichtiges wissenschaftliches Instrument für die Analyse und Erforschung der Gesellschaft, der Natur und des Denkens.

Der Autor im Gespräch mit dem sowjetischen Sportwissenschaftler Prof. Dr. L. P. Matwejew und dem langjährigen Direktor des Forschungsinstituts für Körperkultur und Sport, Prof. Dr. Hans Schuster
Abb. 5: Der Autor im Gespräch mit dem
sowjetischen Sportwissenschaftler
Prof. Dr. L. P. Matwejew
und dem langjährigen Direktor des
Forschungsinstituts für Körperkultur und
Sport, Prof. Dr. Hans Schuster

Besonders in den letzten zwei Jahrzehnten seit 1990 haben sich die Begriffe Sport und Sportwissenschaft international und national zunehmend verbreitet und durchgesetzt. Die Termini Theorie der Körperkultur oder Theorie der Körpererziehung, die in der DDR vorrangig angewendet wurden, fanden im Sprachgebrauch der meisten anderen Länder kaum bzw. keine Verwendung. G. Wonneberger (1) und W. Sieger (2) wiesen bereits in den 80er Jahren auf Schwierigkeiten bezüglich der Kompatibilität der genannten Begriffe hin, was vor allem die internationale Zusammenarbeit erschwerte. Die weitere Differenzierung des Sports in Theorie und Praxis, das Entstehen neuer Sportarten und ihre weltweite Verbreitung wie auch der Gebrauch der Begriffe Sport und Sportwissenschaft in der Olympischer Bewegung haben unserer Auffassung nach ganz wesentlich zu dieser Entwicklung beigetragen. Diesen Prozessen Rechnung tragend, verwenden wir in unseren weiteren Darlegungen ausschließlich den Begriff Sportwissenschaft.


Sportwissenschaft als wesentliche Triebkraft der Entwicklung

In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts war das Wachstum der Wissenschaft, sowohl in der Breite neuer Erkenntnisse als auch im Grad ihrer Anwendung so bedeutend, dass man berechtigt von einer neuen Phase der wissenschaftlich-technischen Revolution sprechen konnte. Sie bewirkte nicht nur eine Umwälzung des Produktionsprozesses, sondern führte direkt oder indirekt zu wesentlichen Veränderungen in nahezu allen Bereichen des gesellschaftlichen Lebens. In Kontext zu diesen Entwicklungen definierte man in der DDR Wissenschaft - ihrer sozialen Funktion nach - als "eine Produktivkraft der Gesellschaft", die "sowohl die Grundlage der Beherrschung der Gesetzmäßigkeiten in Natur und Gesellschaft als auch in der Planung und Leitung gesellschaftlicher Prozesse" bildet (3). Beim Aufbau von Körperkultur und Sport in der DDR wurde diese produktive Kraft über nahezu vier Jahrzehnte planmäßig genutzt und gefördert. Auf den sich dynamisch erweiternden Erkenntnisstand von Wissenschaft und Technik aufbauend, entwickelte sich unter den gesellschaftlichen Bedingungen in der DDR eine leistungsfähige Sportwissenschaft. In diesem Prozess wuchs und festigte sich die Auffassung, dass wir im Sport Wissenschaft nicht nur schlechthin brauchen, sondern dass wir sie für die Lösung praktischer Aufgaben aktiv gebrauchen. Wenn auch im Umfang und Intensität unterschiedlich, durchdrangen Wissenschaft und Sportwissenschaft alle hauptsächlichen Bereiche des Sports – vom Schul- und Studentensport über den Betriebs- und Freizeitsport bis hin zum Wettkampf- und Hochleistungssport.

Die Forschungsprogramme im Bereich von Körperkultur und Sport widerspiegelten die relativ große Breite und die Vielfalt der ausgewählten und bearbeiteten Themen. Mitte der achtziger Jahre wiesen diese Programme im und außerhalb des Leistungssports ca. 150 durch staatliche Mittel finanzierte Projekte aus, die weitgehend als Auftragsforschung mit hohem Nutzen für die Sportpraxis bearbeitet wurden. 3

In der Lehre, der Aus- und Weiterbildung von Sportfachkräften für die Schulen, die Sportorganisation und andere gesellschaftliche Bereiche wurde international Vorbildliches erreicht. Tausende Schulsportportlehrer, Trainer und weitere Fachkräfte wurden auf der Basis einheitlicher und moderner Lehrprogramme zu einem staatlich anerkannten Hochschul- oder Fachschulabschluss geführt und postgradual systematisch weitergebildet.

Neue, für den Sport aussagefähige Disziplinen der Gesellschafts-, der Natur- und der technischen Wissenschaften wurden im Verlaufe der Jahre bewusst einbezogen. Sie bereicherten mit ihren spezifischen Arbeitsansätzen, Methoden und Beiträgen maßgeblich die Theorie und Praxis des Sports und etablierten sich als eigene Wissenschaftsdisziplinen.

Seit den 60er Jahren entwickelte sich die Forschung im Leistungssport zunehmend zu einem Schrittmacher, da sie den notwendigen wissenschaftlichen Vorlauf für Spitzenleistungen in Sportarten bzw. zu grundlegenden Reserven der Leistungsentwicklung schaffen sollte. Im Ergebnis einer zielbewussten und langfristigen Arbeit führte das:

Von den in der Leistungssportforschung erzielten Fortschritten gingen auch immer wieder Impulse für die ständige Vervollkommnung der Lehrprogramme und der Ausbildung und Weiterbildung von Sportfachkräften aus. Sie vermittelten Anregungen für die Wissenschafts- und Forschungsorganisation außerhalb des Leistungssports und leisteten einen wichtigen Beitrag zur wissenschaftlichen Fundierung der Planungs- und Leistungstätigkeit im Sport insgesamt.

Die komplexe und auf eine hohe Leistungsfähigkeit gerichtete Entwicklung der Sportwissenschaft in der DDR erforderte einen entsprechenden materiellen und immateriellen Aufwand. Staat und Regierung stellten über vier Jahrzehnte die dafür benötigten personellen, finanziellen und materiellen Mittel zur Verfügung. Das ermöglichte eine weitgehende Konzentration der in der Sportwissenschaft tätigen Kräfte auf inhaltliche Aufgaben, auf die Gewinnung neuer Erkenntnisse und auf den erforderlichen Vorlauf in Forschung, Lehre und Wissenschaftsentwicklung.


Zum Gegenstand der Sportwissenschaft in der DDR

Bekanntlich stellt sich die moderne Wissenschaft heute als ein vielschichtiges und kompliziertes System dar, dass sich in seinen drei Hauptgruppen – den Naturwissenschaften, den technischen Wissenschaften und den Gesellschaftswissenschaften – ständig weiter entwickelt und neue Einzelwissenschaften hervorbringt. Die Sportwissenschaft gehört in diesen langen Differenzierungsprozess zu den jüngeren Wissenschaftsdisziplinen. Vernetzt mit vielen anderen Einzelwissenschaften analysiert und erforscht sie wesentliche Zusammenhänge, Bedingungen und Aspekte der gesellschaftlichen Erscheinung Sport. Damit ist jedoch der Arbeitsgegenstand einer Sportwissenschaft nur sehr allgemein skizziert. Man könnte hier von einer Gegenstandsbestimmung im weitesten Sinne des Wortes sprechen. Es war Friedrich Engels, der darauf hinwies, dass eine Differenzierung des Gegenstandes der Wissenschaften vorrangig nach den Bewegungsformen der Materie, der Natur, der Gesellschaft und des Denkens, erfolgen sollte. Verwendet man dieses Einteilungsprinzip, so ortet sich Sportwissenschaft mit ihren Kernbegriffen sportliche Tätigkeit, körperliche Vervollkommnung, Training und Wettkampf zwischen pädagogischen und biologischen Wissenschaften ein. Pädagogik und Medizin waren es vor allem, die historisch betrachtet, die Entwicklung der Theorie der Körpererziehung bzw. der Wissenschaft des Sports wesentlich prägten und gewissermaßen als Mutterwissenschaften beeinflussten. Versucht man von einer derartigen Position aus eine konkretere (engere) Definition des Gegenstandes einer Sportwissenschaft, so besteht er nach W. Sieger in der wissenschaftlichen Analyse und Erforschung des "Prozess(es) der psychophysischen Vervollkommnung des Menschen durch Körperübungen in seiner historischen, sozialen und ontogenetischen Entwicklung" (2). Bereits Jahre zuvor definierte G. Erbach die Aufgabenstellung der sportwissenschaftlichen Forschung wie folgt: "Sportwissenschaft erforscht die sozialen und biologischen Gesetzmäßigkeiten der körperlichen Vervollkommnung des Menschen als psychosoziale Einheit; sie deckt die wesentlichen Eigenschaften und kausalen Zusammenhänge dieser Prozesse auf; überprüft sie in der gesellschaftlichen Praxis und stellt sie in Form von Begriffen, Kategorien und Theorien dar" (4). H. Kunath "ersetzt" die Begriffe "körperliche Vervollkommnung" oder "psychophysische Vervollkommnung des Menschen durch Körperübungen" durch den (moderneren) der "sportlichen Betätigung" und sieht vor allem im Prozess "der sportlichen Betätigung auf unterschiedlichen Niveaustufen körperlicher und sportlicher Leistungsfähigkeit und sportbezogener Ziele sowie Wirkungen der sportlichen Betätigung auf den Menschen in seiner biopsychosozialen Einheit und in seiner aktiven Auseinandersetzung mit der konkret-historischen gesellschaftlichen und natürlichen Umwelt" den Gegenstand der Sportwissenschaft (5). Alle drei Definitionen weisen wichtige Gemeinsamkeiten auf.

Strukturmodell der Sportwissenschaften nach Kunath, H., 1989
Abb. 6: Strukturmodell der Sportwissenschaften
nach Kunath, H., 1989

Sie betonen einerseits die hohe Komplexität des Gegenstandes, aus der sich die Rolle und Bedeutung einer Reihe von Wissenschaftsdisziplinen ergibt, die aufbauend auf ihren Mutterwissenschaften zu einem wichtigen Bestandteil auch der Sportwissenschaft geworden sind. Andererseits heben die ins Zentrum gestellten Kategorien "sportliche Betätigung", "körperliche Vervollkommnung", "psychophysische Vervollkommnung" und "Körperübungen" die Stellung solcher originären Wissenschaftsdisziplinen wie Trainingswissenschaft und Wettkampflehre, Theorie und Methodik der Sportarten, Theorie und Methodik des Sportunterrichtes hervor, die sich direkt und genuin aus der "Bewegungsform" Sport ableiten.4 Wir befinden uns hier in Übereinstimmung mit K. Rohrberg (7). Diese Disziplinen rückten in der sportwissenschaftlichen Forschung, Lehre und Wissenschaftsentwicklung der DDR in den siebziger und achtziger Jahren zunehmend in den Vordergrund und bildeten mit den anderen Teilwissenschaften, wie zum Beispiel der Sportgeschichte, Sportsoziologie, Sportpsychologie, Biomechanik, Sportphysiologie u.a. in ihrer Gesamtheit die sich entwickelnde komplexe und interdisziplinäre Sportwissenschaft.


Zur Einheit von Theorie und Praxis

Nach marxistischem Verständnis erwächst die Wissenschaft aus dem praktischen Lebensprozess der Gesellschaft. Praxis und Theorie sind demnach eng miteinander verbunden. Die Praxis ist in diesem Kontext für die wissenschaftliche wie auch sportwissenschaftliche Arbeit nicht nur Ausgangsbasis, sondern zugleich auch Ziel und Kriterium (7). Bekanntlich war es Marx, der postulierte: Das Kriterium der Wahrheit ist die Praxis. Die Sportwissenschaft gilt allgemein als eine anwendungsorientierte Wissenschaft. In der DDR entstand sie, "anders als in der BRD, aus den Anforderungen der Gesellschaft und des Sports, wissenschaftliche Analysen und entsprechende Vorgaben für die planmäßige Gestaltung des Sports bereit zu stellen. Diese Anforderungen hat sie auch nachweisbar erfüllt" (7).

Die Beziehungen zwischen Sportpraxis und Sportwissenschaft wurden in der DDR bewusst gefördert; sie waren vielgestaltig und eng. Es waren Wechselbeziehungen und keine Einbahnstraße, bei der die Praxis einseitig Vorgaben und Aufträge erteilte. Als hauptsächlicher Praxispartner wirkte der Deutsche Turn- und Sportbund (DTSB). Zwischen ihm und den Wissenschaftseinrichtungen auf dem Gebiet des Sports bestanden vielfältige Arbeitsbeziehungen. In Abstimmung mit dem Staatsekretariat für Körperkultur und Sport regelten teilweise längerfristige Vereinbarungen und gemeinsame Arbeitspläne die Zusammenarbeit. So besaß zum Beispiel die DHfK mit 21 Sportverbänden Kooperationsvereinbarungen. Die Leitungen und Arbeitsgremien des DTSB und seiner Sportverbände unterstützten die Hochschule auf vielen Aufgabenfeldern: Durch Anforderungsprofile für die einzelnen auszubildenden Kadergruppen (Diplomsportlehrer/Trainer, Diplomsportlehrer für den Freizeit- und Erholungssport, Leitungsassistenten u.a.), durch die Gewinnung von Sportlern für das Studium, durch die Übernahme von ausgewählten Lehrveranstaltungen, bei den durchzuführenden Berufspraktika und durch die Einsatzlenkung der Absolventen. Neben der Zusammenarbeit in der Forschung bestanden weitere wichtige Bereiche der Kooperation in einem geplanten wechselseitigen Austausch von Kadern und in der wissenschaftlichen Qualifizierung von Fachkräften des DTSB (Diplom, Promotion). Als besonders wertvoll für die Verknüpfung von Theorie und Praxis erwies sich die direkte Mitarbeit von Hochschulangehörigen auf den verschiedensten Ebenen der Sportpraxis. Nach Angaben von H. Schnürpel wirkten über 300 Wissenschaftler der DHfK ehrenamtlich in den unterschiedlichsten Funktionen im DTSB-Bundesvorstand, in Sportverbänden, Bezirks- und Kreisvorständen, Sportclubs und Sportgemeinschaften sowie als Übungsleiter oder als Leiter von Trainingszentren (8). Sie unterstützten mit ihrer hohen Sachkenntnis die Sportpraxis und gewannen dabei wertvolle Impulse für ihre eigene wissenschaftliche Tätigkeit in Lehre und Forschung. Auch das Zusammenwirken zwischen Wissenschaftlern und Praktikern während der Weiterbildungslehrgänge der Trainer und Leiter gestalteten sich zu einer effizienten Form des Erfahrungsaustausches mit Gewinn für beide Seiten.

Was die Forschung und das Wechselspiel zwischen Theorie und Praxis auf diesem Gebiet anbelangt, so wirkte sich die Einführung von Auftraggebern und Auftragnehmern als außerordentlich produktiv aus. Die Umsetzung dieses Grundsatzes der Wissenschaftspolitik der Partei- und Staatsführung führte in den 70er und 80er Jahren dazu, dass die Mehrzahl der Forschungsvorhaben im Sport entsprechend diesem Prinzip geplant und gestaltet wurde. Das galt für die Forschung sowohl im als auch außerhalb des Leistungssports. Je nach Themenstellung nahmen unterschiedliche Leitungsgremien, deren Bereiche und Abteilungen sowie die Sportverbände des DTSB die Aufgaben als Auftraggeber, die entsprechenden Forschungsgruppen und zuständigen Wissenschaftseinrichtungen die als Auftragnehmer wahr. Gemeinsam entschieden Auftraggeber und Auftragnehmer über die Ziel- und Themenstellung der Forschungsprojekte und deren zeitlichen und organisatorischen Ablauf. Das stand keineswegs im Widerspruch zu einer theoretisch und methodisch anspruchsvollen wissenschaftlichen Arbeit. Eine Vielzahl von neuen, praxisrelevanten Erkenntnissen, von international anerkannten Publikationen von Sportwissenschaftlern aus der DDR, die Qualität Lehrprogramme der DHfK und der Sportwissenschaftlichen Sektionen der Universitäten, interessante Vorschläge und Zuarbeiten zu Leitungsbeschlüssen und deren Umsetzung in der Sportpraxis waren und sind ein eindrucksvoller Beleg dafür. Sie bildeten eine wichtige Grundlage für den Aufbau des Gesamtsystems von Körperkultur und Sport und seiner Teilsysteme, sowie für deren wissenschaftlich gestützte Planung und Leitung. Natürlich gab es auch Probleme und Konflikte in der Verwirklichung dieses Prinzips der Einheit von Theorie und Praxis. Diskussionspunkte waren z. B. das optimale Verhältnis von sportartspezifischer, übergreifender und grundlegender Forschung, die Kurzfristigkeit von zusätzlichen Aufgaben und Terminen durch Auftraggeber, die nicht ausreichenden Kapazitäten oder auch der Einsatz leistungsfähiger Wissenschaftskader an dieser oder jener Position des Forschungs- oder Umsetzungsprozesses. Die Resultate des Erfolgsmodelles Praxis – Wissenschaft – Praxis usw. waren offensichtlich und überzeugend. Sie bestanden nicht nur in den Spitzenleistungen der Topsportler und ihrer Trainer im Leistungssport. Auch das hohe Ausbildungsniveau der Sportlehrer, des obligatorischen Sportunterrichts der Schüler, Lehrlinge und Studenten, die Turn- und Sportfeste, die Kinder- und Jugendspartakiaden, die Einheitliche Sichtung und Auswahl von Talenten u. a. waren das Ergebnis des überaus erfolgreichen Zusammenwirkens von Wissenschaft und Praxis im Sport der DDR. Ein Vorzug, um den uns andere Länder oft beneideten.


Zur Einheit von Lehre und Forschung

Die enge Verknüpfung von Lehre und Forschung gehört zu den vielen guten Traditionen der Wissenschaft und ihrer Geschichte. Lehre benötigt zu ihrer dynamischen Fortentwicklung den ständigen Erkenntnisgewinn und den Beweis durch die Forschung; sie baut darauf auf. Umgekehrt erwachsen aus der Lehre neue Fragestellungen für die Forschung; sie bereichert durch Verallgemeinerung und Strukturierung die Wissenschaftsentwicklung insgesamt. Diese Zusammenhänge galten bzw. gelten natürlich auch für die wissenschaftliche Arbeit im Sport. In der Anfangsphase, zu Beginn der fünfziger Jahre, standen dabei die Lehrarbeit, die unter Zeitdruck zu erarbeiteten Lehr- und Lernmaterialien im Vordergrund der wissenschaftlicher Arbeit an den damaligen Instituten für Körpererziehung und der jungen DHfK. In dieser Zeit schuf eine Gruppe junger Doktoranden um G. Erbach, H. Schuster, L. Skorning, H. Simon und G. Wonneberger durch ihre Forschungen zur Geschichte der Körpererziehung und des Sports wichtige Grundlagen. Unter Verantwortung von K. Meinel wurde das Fachgebiet Bewegungslehre aufgebaut. Auf naturwissenschaftlichem Gebiet begannen erste biomechanische und medizinische Untersuchungen von Fachleuten, die hauptsächlich als Lehrkräfte tätig waren (G. Hochmuth, K. Tittel). Die Einrichtung einer Forschungsstelle an der DHfK im Jahre 1956 bildete einen Durchbruch hin zu einer komplexen sportmethodischen, gesellschaftswissenschaftlichen und naturwissenschaftlich-technischen Erforschung des Sports in der DDR. Weitere Meilensteine der Entwicklung waren die Zusammenlegung der Forschungsstelle mit dem Institut für Sportmedizin zu dem eigenständigen Forschungsinstitut für Körperkultur und Sport (1969) sowie die erhöhte Verantwortung der DHfK für die Forschung in den Sportspielarten und zum Nachwuchsleistungssport insgesamt (1973). Damit entstanden neuartige Voraussetzungen für die Verknüpfung von Lehre und Forschung, für eine effektive Gemeinschaftsarbeit sowie für eine zunehmend interdisziplinäre Forschung.

Studenten und junge Wissenschaftler der DHfK stellen anlässlich einer zentralen Leistungsschau 1987 ihre wissenschaftlichen Arbeiten vor
Abb. 7: Studenten und junge Wissenschaftler
der DHfK stellen anlässlich einer zentralen
Leistungsschau 1987
ihre wissenschaftlichen Arbeiten vor

Obwohl dieser Prozess mit einer Konzentration auf Schwerpunkte der Forschung und der Sportarten einher ging, entstand daraus in der Folgezeit eine höhere Qualität und Wirksamkeit der Forschungs- und Lehrtätigkeit. Besonders an der Hochschule in Leipzig, aber auch an den Sportwissenschaftlichen Instituten in Jena, Halle und Berlin entstanden neue Forschungskapazitäten. In den achtziger Jahren war an der DHfK nahezu jede Lehrkraft auf der Ebene der Fakultäten, Sektionen und Wissenschaftsdisziplinen mit unterschiedlichem Umfang in die Bearbeitung von Forschungsthemen eingebunden. Umgekehrt erhöhte sich auch systematisch die Anzahl der am FKS beschäftigten Hochschullehrer, die in der Ausbildung und Fortbildung Vorlesungen, Spezialseminare wahrnahmen. Durch ein ganzes Bündel von Maßnahmen entstand an der DHfK ein System, das erfolgreich dazu beitrug, die Studenten zur selbstständigen wissenschaftlichen Arbeit zu befähigen, für eine Mitarbeit an Forschungsprojekten zu gewinnen oder für eine mögliche wissenschaftliche Laufbahn zu begeistern. Durch Studentenzirkel, Jugendobjekte und Jugendforschungskollektive waren zum Beispiel Anfang des Jahres 1989 fast 70 Prozent der Studierenden in die Vertragsforschung einbezogen. Über den damit verbundenen Gewinn an zusätzlichen Forschungskapazitäten hinaus, wuchs eine "generelle forschungs- und wissenschaftsfreundliche Haltung" unter den Studenten, die sich erfahrungsgemäß "in ihrer späteren Tätigkeit als Trainer oder Sportlehrer widerspiegelte und ein wesentlicher Grund ihrer erfolgreichen Tätigkeit" war (9). Ein Beispiel, das für die hohe Wirksamkeit dieses für die sportwissenschaftliche Arbeit in der DDR typischen Prinzips der Einheit von Lehre und Forschung spricht.


Zur Einheit von Ausbildung und Weiterbildung

Aufbauend auf progressiven humanistischen Bildungsidealen der Vergangenheit zielte die Bildungskonzeption der DDR auf eine allseitige und harmonische Entwicklung der Menschen. Bildung war dabei Ziel als auch Mittel der Persönlichkeitsentwicklung. Im Artikel 25 der Verfassung der DDR hieß es: "Das einheitliche sozialistische Bildungssystem gewährleistet jedem eine kontinuierliche sozialistische Erziehung, Bildung und Weiterbildung" (10). Dieser Anspruch galt – bei Anerkennung mancherlei Widersprüche in der praktischen Umsetzung – in besonderem Maße für die berufliche Qualifizierung durch Ausbildung und Weiterbildung.

Über die akademische Berufsausbildung der Sportlehrer und Trainer haben wir uns bereits im Kapitel über Trainer und Trainerwesen hinreichend geäußert. Sie gewährleistete eine moderne vierjährige Grundlagen- und Spezialausbildung in sportwissenschaftlichen, gesellschaftswissenschaftlichen und naturwissenschaftlichen Lehrgebieten auf Hochschulniveau. Das war die Basis für eine solide Weiterbildung der Absolventen, die jedoch in den fünfziger und sechziger Jahren weitgehend durch Maßnahmen der Sportverbände, Sportclubs und anderer Sporteinrichtungen selbst gestaltet wurde. Der in hohem Tempo anwachsende Erkenntnisfortschritt wie auch die steigende Anzahl der ausgebildeten Sportlehrer/Trainer führten ab 1969 zu einer planmäßigen Fortbildung aller im Leistungssport hauptberuflich tätigen Trainer und Funktionäre an der DHfK. Es galt der Grundsatz, dass jeder dieser Kader innerhalb eines Olympiazyklus an einem vierwöchigen Weiterbildungslehrgang an der Hochschule in Leipzig teilnimmt. Ungeachtet mancher Schwierigkeiten in der Anfangsphase, die Vorzüge eines derartigen von der Sportorganisation, dem Staatssekretariat und der Hochschule gemeinsamen getragenen Systems lagen auf der Hand: Hohes fachliches Niveau der Weiterbildung aufbauend auf der Hochschulausbildung, starke Ziel- und Praxisgerichtetheit der Vorlesungen und Seminare, breite Förderung des Erfahrungsaustausches unter den Teilnehmern und mit den Lehrkräften. Belegarbeiten zu einem von jedem Teilnehmer selbst gewählten Fachthema bis zum Ende des Lehrganges vermittelten wertvolle Erfahrungen und Erkenntnisse. Praktiker wie Hochschullehrer profitierten von dieser Form der Weiterbildung, die über fünf Olympiazyklen Tausende von Teilnehmern erfasste. "Zu Recht kann man dieses System als einmalig in der Welt bezeichnen. Leider hat der Sport in der Bunderepublik Deutschland auch diese Erfahrungen nicht übernommen und genutzt" (11).


Zur Differenzierung und Integration der Sportwissenschaft

Aus wissenschaftshistorischer Sicht besteht zwischen den Prozessen der Differenzierung und der Integration in der Wissenschaft ein dialektischer Zusammenhang. Qualitative und quantitative Fortschritte in der Gewinnung von Einzelerkenntnissen induzieren über kurz oder lang eine Zusammenführung und wissenschaftliche Verallgemeinerung. Die Entwicklung der Sportwissenschaft selbst ist in diesem Kontext Beispiel und Ergebnis von Differenzierungs- und Integrationsprozessen. Besonders in den 70er und 80er Jahren kam es zu einer beschleunigten Differenzierung und zugleich auch Integration der sportwissenschaftlichen Disziplinen und der sportwissenschaftlichen Arbeit in der DDR. Neue Theoriegebiete und Wissenschaftsdisziplinen fanden in Lehre und Forschung Eingang. Ein Vergleich der Studienpläne für das Direktstudium an der DHfK macht das deutlich. Erstmalig ab 1974 standen solche Ausbildungsinhalte wie Kybernetik, Operationsforschung, Automatische Informationsverarbeitung und Biochemie auf dem Lehrprogramm.

Die 3. Hochschulreform in der DDR regte zu weiteren wesentlichen Veränderungen hinsichtlich der Struktur (Bildung von Fakultäten, Sektionen), der Ausbildungsschwerpunkte (verstärkte Orientierung auf die Praxis) und der Arbeitsweise (Gemeinschaftsarbeit und interdisziplinäre Forschung) an. Von besonderer Bedeutung für Forschung, Lehre und Wissenschaftsentwicklung waren auch die Beschlüsse zum Leistungssport von 1969 und 1973. Sie führten in Theorie und Praxis zu einer Konzentration auf den Hoch- und Nachwuchsleistungssport. Neue Berufsbilder in der Sportpraxis machten neue Studienpläne für die Grund- und Spezialausbildung erforderlich. Das alles führte zu einer teilweisen Neuprofilierung der DHfK und der Sportwissenschaftlichen Institute an den Universitäten und Hochschulen. Besonders auf dem Gebiet der Theorie und Methodik des Trainings und der Sportarten kam es zu erheblichen Differenzierungen. Im Zeitraum von 1985 bis 1990 bestanden 59 Wissenschaftsdisziplinen an der DHfK, allein 37 davon waren trainingsmethodische Disziplinen. In 27 Sportarten hatte sich eine leistungsfähige Theorie und Methodik des Trainings entwickelt (5). Ähnliche Proportionen lassen sich, sofern die bearbeiteten Sportarten einzeln berücksichtigt werden, auch für das FKS nachweisen. Diese Veränderungen waren Ausdruck einer weiteren Akademiesierung der gesamten Aus- und Weiterbildung. Besonders die sportartspezifische Lehre und Forschung in den schwerpunktmäßig geförderten olympischen Sommer- und Wintersportarten erreichte ein hohes theoretisches und methodisches Niveau, das maßgeblich die Spitzenstellung einer Reihe von Sportarten (Leichtathletik, Sportschwimmen, Rudern, Kanurennsport, Geräteturnen, Boxen, Schlitten- und Bobsport, Skisprung, Biathlon) in der Welt beeinflusste. Ein interdisziplinäres Vorgehen von Sportmethodikern, Sportmedizinern, Sportpsychologen und wissenschaftlich-technischen Fachkräften, ihre durch gleiche Ziele geprägte Gemeinschaftsarbeit sowie die schnelle und konsequente Umsetzung neuer Erkenntnisse in die Praxis waren typisch für diese Sportarten. Parallel zu dieser sportartspezifischen Spezialisierung wuchs aber auch die Notwendigkeit einer verstärkten Verallgemeinerung gewonnener Erkenntnisse und Erfahrungen. Das geschah vor allem auf der Ebene der fünf Sportartgruppen (Ausdauer-, Kraft-Schnellkraftdisziplinen, technisch-kompositorische und fahrtechnische Sportarten, Kampf- und Sportspielarten). Dabei entstand eine neue sportwissenschaftliche Arbeits- und Verallgemeinerungsebene – die Theorie und Methodik der Sportartengruppen. Diese Entwicklung war zur damaligen Zeit weltweit einmalig. Sie verschaffte dem Sport der DDR auf diesem Gebiet wissenschaftlichen Vorlauf. Das traf auch auf die zunehmend interdisziplinäre Bearbeitung von Forschungsthemen und auf die Entwicklung einer allgemeinen Trainings- und Wettkampflehre zu. Besonders diese allgemeine Theorie und Methodik des Trainings entwickelte eine starke Integrationskraft und bereicherte die Wissenschaftsentwicklung in den Sportarten und Sportartengruppen.

Diese Entwicklungsprozesse vollzogen sich – das soll und darf an dieser Stelle nicht verschwiegen werden – nicht ohne strittige Diskussionen. Die Ausgrenzung einer Reihe von Sportarten von einer konsequent auf Schwerpunkte orientierten Forschung, die Befürchtung einer eventuellen Vernachlässigung der Theoriebildung durch eine zu starke Konzentration auf die Leistungssportforschung wie auch die schrittweise Einstellung der Fachrichtung Schulsport an der DHfK ab 1970 stießen auf zum Teil berechtigte Einwände von Wissenschaftlern und Praktikern des Sports. Die durch harte Fakten begrenzten materiellen und personellen Kapazitäten, die nicht einmal für die sportartspezifische Forschung eines Teils der schwerpunktmäßig geförderten olympischen Sportarten ausreichten, die konsequente Ausrichtung unserer wissenschaftlichen Arbeit auf wissenschaftliche Spitzenleistungen sowie die politische Bedeutung des Leistungssports und der Leistungssportforschung in der internationalen Systemauseinandersetzung waren damals unsere stichhaltigen Argumente und Antworten. Namhafte Wissenschaftler der DHfK und des FKS, die an diesen Entscheidungsprozessen, so wie ich in meiner Funktion im Bundesvorstand des DTSB, beteiligt waren, vertreten auch heute noch die Auffassung, dass die konsequente Orientierung auf praxisrelevante Schwerpunkte und auf den Leistungssport die Entwicklung der Sportwissenschaft nicht beeinträchtigt hat, sondern dass sie die Lehre und Forschung sowie die Theoriebildung auf ein Leistungsniveau gehoben hat, dass hohe internationale Anerkennung fand und dass auch heute noch vielfach nachwirkt.


Zur Einheit und Identität der Sportwissenschaft

In seinen bereits eingangs erwähnten Beitrag "Zu Problemen der Sportwissenschaft aus der Sicht eines Sportsoziologen" setzt sich K. Rohrberg (7) mit der gegenwärtigen Situation der Sportwissenschaft in Deutschland und mit dem von nicht wenigen Wissenschaftlern befürchteten Verlust an Einheit und Identität dieser Wissenschaftsdisziplin auseinander. Neben der in den Wissenschaften normalen Tendenz der Spezialisierung verweist Rohrberg berechtigt auf wissenschaftsfremde, gesellschaftlich bedingte Ursachen, wie die bestehenden föderalistischen Strukturen, die Einflüsse des Marktes und der Medien, die Konkurrenz zwischen den Hochschulen u. a., die einen "Verlust an Einheitlichkeit und Identität der Sportwissenschaft" in Deutschland beeinflussen. Auf die sportwissenschaftliche Forschung bezogen, erfolgt die Auswahl der Themen weitgehend "ohne Systematik, Langfristigkeit und Koordination". Digel spricht von "theorieloser Forschung" (13), andere von einer Beliebigkeit der Forschung und Lehre entsprechend den persönlichen Interessen einzelner Wissenschaftler, die zu einer Vernachlässigung der Wissenschaftsentwicklung sowie zu einer Erosion ihres Gegenstandes und ihrer Identität führen. Besonders die weitgehende Ausklammerung einer interdisziplinären Forschung und Lehre steht im Widerspruch zu den Möglichkeiten und Erfordernissen wissenschaftlicher Arbeit und gefährdet deren Wissenschaftlichkeit. Derartige Tendenzen und Gefahren waren in der Wissenschaft und Sportwissenschaft der DDR alles andere als typisch. Ohne vorhandene Schwächen zu verkennen, konnten wir uns, was die Einheit und Identität der Sportwissenschaft anbetrifft, auf wichtige Vorzüge und Errungenschaften stützen. Drei sollen hier noch einmal genannt werden:

Zu viel Verklärung? Gab es keine Probleme, Schwierigkeiten oder Rückstände gegenüber der Entwicklung in anderen Ländern? Natürlich gab es zum Teil erhebliche Niveauunterschiede in der Arbeit und in den Arbeitsergebnissen der einzelnen Forschungsgruppen. Die langjährigen Anstrengungen in der wissenschaftlichen Unterstützung der Sportspiel- und Kampfsportarten oder bei der Beschleunigung der Leistungsentwicklung in einer Reihe von Männerdisziplinen führten nicht zu den angestrebten schnellen Veränderungen. Beim Aufbau neuer Forschungsgruppen gab es teilweise erhebliche Verzögerungen. Unser Rückstand bei der Entwicklung von moderner Rechen- und Messtechnik in eigenem Land und bei dem teilweise nur schleppend verlaufenden Aufbau notwendiger neuer Mess- und Untersuchungsbasen in den Wissenschaftseinrichtungen, zentralen Trainingsstätten und Sportclubs bereiteten ernsthafte Sorgen. Und zu Recht verweisen Rohrberg u. a. auf Schwächen in der Theoriebildung, im Herausarbeiten von theoretisch anspruchsvollen Hypothesen, in der Auswahl und Anwendung effektiver Forschungsmethoden, die es, ebenso wie in anderen Ländern, gleichfalls in der sportwissenschaftlichen Arbeit der DDR gab. Auch die in den achtziger Jahren in der DDR erneut geführte Diskussion über den Gegenstand, über Kategorien, Begriffe und Methoden der Sportwissenschaft(en) fand aus unterschiedlichen Gründen keinen Abschluss, obwohl die Chancen zu einer Übereinkunft zwischen den Vertretern der verschiedenen Wissenschaftsdisziplinen zu gelangen, unseres Erachtens durchaus herangereift waren. Diese kritischen Anmerkungen schmälern in keiner Weise die bedeutenden Ergebnisse und Fortschritte, die auf dem Gebiet der Sportwissenschaft in der DDR erreicht wurden. Sie hat ein großes Erbe an Erkenntnissen und Erfahrungen hinterlassen. Und sie war auf einem guten Weg zu einer komplexen und zugleich einheitlichen Sportwissenschaft!

  1. Für ihre wertvollen Hinweise zu diesem ersten Abschnitt des Artikels bedanke ich mich bei Prof. Dr. Lehmann, Prof. Dr. Ingomar Klein sowie Prof. Dr. Fred Gras. Mein Dank für das mir zur Veröffentlichung überlassene Bildmaterial gilt besonders Prof. Dr. Alfons Lehnert sowie Jörg Weißig, Prof. Dr. Gerhard Lehmann, Prof. Dr. Günther Wonneberger, Prof. Dr. Jochen Lenz und Dr. Norbert Rogalski.
  2. An dieser Stelle sei darauf hingewiesen, dass es parallel zu den Forschungs- und Entwicklungsplänen im Leistungssport und zur Entwicklung von Sportgeräten und Sportbauten eine "Grundlinie für Forschung und Entwicklung auf dem Gebiet Körperkultur und Sport" gab. In ihr waren neben dem Staatssekretariat für Körperkultur und Sport und dem DTSB, die Akademie der Pädagogischen Wissenschaften und das Ministerium für Hoch- und Fachschulwesen als wichtige Auftraggeber der Forschung vertreten. Für die Jahre 1986 – 1990 enthielt diese Grundlinie zum Beispiel insgesamt 39 Forschungsprojekte zum Vorschul- und Schulsport, zum Studentensport, Massensport, zur Geschichte der Körperkultur sowie zu anderen Wissenschaftsfeldern des Sports. Der Themenplan für den Leistungssport wies für den Zeitraum 1980 – 84 57 Forschungsthemen aus.
  3. Ergänzend fügen wir hier eine von A. Lehnert 1989 vorgenommene Definition des Gegenstandes der Trainingswissenschaft an: "Gegenstand der Theorie und Methodik des Trainings sind die theoretischen Grundlagen – die Gesetzmäßigkeiten – der sportlichen Leistung und die Methodik der Ausbildung der sportlichen Leistungsfähigkeit und Leistungsbereitschaft im Prozeß des Trainings sowie der Leistungsvollzug im sportlichem Wettkampf." Lehnert A.: Zwischenbilanz zur Diskussion zum Gegenstand zur Theorie und Methodik des Trainings. In: Theorie und Praxis der Körperkultur. 1989, Heft 4, s. 251