Nachwuchsleistungssport

Zur Entwicklung des Wettkampfsystems im Nachwuchssport

Vielfältige Wettkampfformen auf örtlicher und zentraler Ebene

Unter den vielen Wettkampfformen im Kinder- und Jugendsport stellten die Spartakiadewettkämpfe die absolute Krönung dar. 1964 ins Leben gerufen und erstmalig 1965 in den Kreisen und Bezirken durchgeführt, gab es natürlich zuvor und parallel zu ihnen eine Vielzahl sportartspezifischer Wettbewerbe. Bereits seit 1947/48 entwickelte sich auf örtlicher Ebene - in den Städten und Gemeinden - ein reges Wettkampftreiben. Wie in vielen anderen Ländern auch sorgten Wettkämpfe zwischen den Schulen, Stadt-, Kreis- und Bezirksmeisterschaften, Runden- und Pokalwettbewerbe für einen interessanten Wettkampfbetrieb. Abhängig von der Verbreitung der Sportarten und den örtlichen Voraussetzungen, bestanden jedoch erhebliche Unterschiede in den Wettkampfsystemen der Sportverbände. Während in den meisten Spielsportarten für die Kinder- und Jugendklassen auf regionaler Ebene gut organisierte Meisterschafts- und Pokalrunden existierten, fanden in den Kampfsportarten aber auch zum Teil im Sportschwimmen und in anderen Disziplinen nur in wenigen Kreisen Kinder- und Jugendmeisterschaften statt. Es mangelte an Wettkampfangeboten während des ganzen Jahres und oft gestalteten sich die Ferien zu einer wettkampffreien Zeit.

Um diese Mängel einzuschränken und für alle noch mehr interessante und vielseitige Wettkämpfe anzubieten, entwickelten die Sportorganisation, das Ministerium für Volksbildung sowie die Freie Deutsche Jugend (FDJ) und ihre Pionierorganisation „Ernst Thälmann“ ideenreich viele neue Wettkampfformen für Kinder und Jugendliche sowie im Nachwuchssport. Als Höhepunkte für die Schüler der Kinder- und Jugendsportschulen wurden schon frühzeitig zentrale Sportfeste eingeführt. Von den Organen der Volksbildung und den einzelnen Sportverbänden ausgerichtet, fanden zwischen 1957 und 1963 sieben derartige Bestenermittlungen statt. Sie förderten nachdrücklich das Leistungsstreben der jungen Sportler an den KJS.

Dem Namen des römischen Gladiatoren Spartakus und den Spartakiaden des deutschen Arbeitersports verpflichtet, wurden auf Initiative der zentralen Leitung der Pionierorganisation der DDR Pionierspartakiaden ins Leben gerufen. Horst Gülle, einer der Väter dieser Spartakiaden, berichtet in einer im SPOTLESS-Verlag erschienenen Broschüre ausführlich über die Entstehung und den Entwicklungsweg dieser Wettkämpfe. Insgesamt fanden von 1954 bis 1965 sechs derartige Spartakiaden statt. Sie umfaßten ein breites Spektrum von olympischen und nichtolympischen Sportarten und bildeten die unmittelbaren Vorläufer der Kinder- und Jugendspartakiaden.

Daneben entstanden eine ganze Reihe von Pokalwettbewerben, bei denen Kinder und Jugendliche ehrgeizig um die von der FDJ, der Pionierorganisation oder von den Sportverbänden gestifteten Pokale wetteiferten. Eine besondere Rolle spielten auch die „Kleine Friedensfahrt“ im Radsport sowie die "Wettkämpfe um die Urkunde des Vorsitzenden des Staatsrates der DDR". Diese in der Leichtathletik ausgetragenen Wettbewerbe zeichneten sich durch ihren Mannschafts- und Mehrkampfcharakter aus. Durch die Schulen getragen, nahm daran die übergroße Mehrzahl aller Schüler der entsprechenden Altersklassen teil.


Die Spartakiadewettkämpfe - Kernstück des Wettkampfsystems im Kinder- und Jugendsport und Nachwuchssport

Die durch die Pionierspartakiaden gewonnenen Erfahrungen führten im Jahr 1964 zu der Idee, eine Wettkampfform zu entwickeln, die sportartenübergreifend möglichst alle Kinder und Jugendlichen der DDR anspricht und breitensportliche wie auch leistungssportliche Aufgaben miteinander verbindet. Diese Aufgabe vermochten die Pionierspartakiaden nicht zu erfüllen. Sie waren ausschließlich auf die Altersklassen der Kinder beschränkt und trugen vorwiegend breitensportlichen Charakter.

Im März 1964 regte der Bundesvorstand des DTSB an, in den Jahren 1965 und 1966 Kinder- und Jugendspartakiaden durchzuführen. Das fand die Zustimmung durch das Zentralkomitees der SED und die Regierung der DDR. Die Spartakiaden sollten im Sport „eine grundlegende Wende in der Jugendarbeit herbeiführen“ und zu einem Anliegen der ganzen Gesellschaft werden. (Vgl.: Beschluß des Sekretariats des Zentralkomitees der SED: Durchführung von Kinder- und Jugendspartakiaden in den olympischen Sportarten in den Jahren 1965 und 1966. SAPMO-Barch, Dy30/J IV 2/3, S. 2).

Der DTSB, das Ministerium für Volksbildung, der Jugendverband, die FDJ und ihre Pionierorganisation übernahmen die Trägerschaft. In gemeinsamer Verantwortung sollte der seit 1963 eingeleitete Aufschwung im Kinder- und Jugendsport erfolgreich fortgeführt und durch die Spartakiadebewegung beschleunigt werden. Unterstützend dazu entstanden in den Bezirken, Kreisen und in größeren Städten Spartakiadekomitees, in denen neben den drei Trägern Vertreter der SED und der örtlichen staatlichen Leitungen mitwirkten.

Wettkämpfe der Nachwuchsringer bei der DDR-Spartakiade in der Berliner Werner-Seelenbinder-Halle
Wettkämpfe der Nachwuchsringer bei der DDR-Spartakiade in der Berliner Werner-Seelenbinder-Halle

Zwei Ziele wurden an die Spartakiaden geknüpft. Sie sollten erstens die große Mehrheit der Kinder und Jugendlichen für eine regelmäßige sportliche Betätigung, für ein systematisches üben und eine wiederholte Teilnahme an Wettkämpfen gewinnen. Und zweitens sollten sie dem Leistungsvergleich der besten jungen Sportler und der Auswahl und Förderung der sportlichen Talente dienen.

übersicht über Teilnehmerzahlen an den Kreis- und Bezirksspartakiaden im Zeitraum 1965 - 1989Übersicht über Teilnehmerzahlen
an den Kreis- und Bezirksspartakiaden
im Zeitraum 1965 - 1989

Bereits die ersten Spartakiaden 1965 in den Kreisen gestalteten sich zu einen vollen Erfolg. Etwa 1,8 Millionen Kinder und Jugendliche beteiligten sich an den Vorwettkämpfen für die Kreisspartakiaden. An der „I. Deutschen Kinder- und Jugendspartakiade 1966“ in den Sommersportarten, die in Berlin stattfand, nahmen 12 Tausend junge Sportler in 23 Sportarten teil. 116 deutsche Kinder- und Jugendrekorde wurden aufgestellt. Voller Stolz verglichen damals die Organisatoren die Berliner Spartakiade, dem Umfang und den Teilnehmerzahlen nach, mit den Olympischen Spielen 1964 in Tokio.

Vieles hatte sich bei dieser ersten Spartakiade bewährt: Die Wettkampfprogramme der Sportverbände (auch wenn sie mit Ausnahme des Gewichthebens noch keine oder nur geringe Anforderungen hinsichtlich der sportlichen Vielseitigkeit aufwiesen), die Festlegung der Altersklassen (in der Regel von 10 bis 19 Jahre), die Zusammenfasung der Sportler in Auswahlmannschaften der Bezirke. Und auch die Wertung der von den Jungen und Mädchen erzielten Leistungen nach Bezirken (und nicht nur nach Sportarten) erwies sich als gelungen und leistungsstimulierend.

Es war der Start in eine neue Entwicklungsetappe des Kinder- und Jugendsports und des Nachwuchssports in der DDR. Vorangetrieben von den drei Trägern und in vieler Weise unterstützt durch den Staat und die Öffentlichkeit, entstand aus den ersten Spartakiadewettkämpfen eine von der Gesellschaft getragene Bewegung - die Spartakiadebewegung! Ihrem Inhalt und ihren Formen nach war sie meines Erachtens einmalig im Sport. Das betraf nicht nur die verschiedenen Formen und Stufen in denen die Wettkämpfe durchgeführt wurden, sondern auch die Verknüpfung von Breiten- und Leistungssport.

In den Vorwettkämpfen beteiligten sich in den Sektionen der Sportgemeinschaften des DTSB sowie in den Schulen und Berufsschulen ein Großteil aller Kinder und Jugendlicher an einem breitensportlich ausgerichteten Wettkampfprogramm.

Bei den Kreisspartakiaden gingen die bei den Vorwettkämpfen qualifizierten Jungen und Mädchen an den Start. Ausgeschrieben waren alle in der jeweiligen Region traditionell betriebenen Sportarten, gleich, ob sie im olympischen Programm standen oder nicht.

Bei den Bezirksspartakiaden, die alle zwei Jahre abwechselnd zu den DDR-Spartakiaden stattfanden, trat die leistungssportliche Zielsetzung verstärkt in den Vordergrund.

Die zentralen Spartakiadewettkämpfe gestalteten sich zur Leistungs- und Talenteschau der besten jungen Athleten des Landes in den in der DDR schwerpunktmäßig geförderten olympischen Sommer- bzw. Wintersportarten.

Aber auch die mit den Veranstaltungen verbundenen Riten ( feierliche Eröffnungs- und Abschlußveranstaltungen, Fahnenweihe, Eid, Siegerzeremoniell u. a.), die in vielen von den Olympischen Spielen abgeleitet waren, und das auf fairen Wettstreit, Sportfreundschaft und Frieden ausgerichtete erzieherische Anliegen förderten eine besondere Atmosphäre, die immer wieder von den jungen Teilnehmern und den vielen Besuchern und Gästen als positiv empfunden und hervorgehoben wurde. Selbst oft in verschiedenen Funktionen bei den Spartakiadeveranstaltungen anwesend, konnte ich diese typische Stimmung hautnah miterleben. Jugendliche Lebensfreude und Ausgelassenheit vereinten sich mit ernsthaftem Leistungsstreben, mit Konzentration und Disziplin.

 Start junger Skiläuferinnen bei der Wintersportspartakiade Start junger Skiläuferinnen bei der Wintersportspartakiade

In sportlicher Hinsicht zeichneten sich die Spartakiadewettkämpfe u. a. darin aus, daß sie im Unterschied zu den traditionellen Wettbewerben der Sportarten zunehmend auch vielseitige Wettkampfanforderungen und Normative enthielten. Die Einführung derartiger, die Vielseitigkeit abfordernder Wettkampfprüfungen bedurfte einer längeren Zeit. Theoretisch ließen wir uns davon leiten, daß das im Nachwuchstraining von den Sportlern Erlernte und Erreichte nicht nur als komplexe Wettkampfleistung , sondern auch durch ausgewählte allgemeine und spezielle Übungen, die wichtigen Elementen der Leistungsstruktur entsprachen, gefordert werden sollte. Das führte dazu, die Spartakiadewettkämpfe auch dafür zu nutzen, um das von den Sportverbänden geforderte Niveau der technischen, koordinativen und konditionellen Leistungsvoraussetzungen der Teilnehmer zu überprüfen. Diese Überprüfungen konzentrierten sich besonders auf die unteren Altersklassen, bei denen eine vielseitige Grundausbildung im Vordergrund des Trainings stand. Die erzielten Ergebnisse wurden mit der sportartspezifischen Wettkampfleistung addiert und bestimmten gemeinsam das Gesamtresultat.

In den Kampfsportarten mußten die betreffenden Teilnehmer beispielsweise bestimmte Wurftechniken demonstrieren. In den Spielsportarten waren Normen, welche die Spielfähigkeit charakterisierten, nachzuweisen. Im Eisschnellaufen wurde die Beherrschung des Schlittschuhlaufens beim Slalomlauf und im Rückwärtslaufen getestet. In der Leichtathletik wiederum war die Teilnahme an den Wettkämpfen in der Spezialdisziplin vom Erreichen einer Qualifikationsnorm im Mehrkampf abhängig. Zusätzlich wurde von allen Spartakiadeteilnehmern erwartet, daß sie die Bedingungen des Sportabzeichens "Bereit zur Arbeit und zur Verteidigung der Heimat" sowie des Abzeichens "Für gutes Wissen" erfüllt hatten. Das alles galt als Nachweis eines vielseitigen Wissens und Könnens und als ein Ausdruck der angestrebten harmonischen körperlichen und geistigen Entwicklung aller Kinder und Jugendlichen.

Im Rückblick erfüllt mich eine gewisse Genugtuung darüber, daß ich in verschiedener Weise an der Entwicklung der Spartakiadebewegung mitwirken konnte. Gern erinnere ich mich an die Spartakiaden in den verschiedenen Kreisen und Bezirken, die ich besuchte, an die Begegnungen mit den Sportlern, an die Zusammenkünfte mit den Übungsleitern, Trainern und Funktionären. Im Auftrag des Zentralen Spartakiadekomitees trug ich mehrfach die Verantwortung für die Spartakiadewettkämpfe in den Eissportdisziplinen in Karl-Marx-Stadt bzw. in Berlin. über eine Woche erlebte ich in dieser Zeit gemeinsam mit den jungen Sportlern, den Trainern, Betreuern und Organisatoren die Spartakiade in ihren vielfältigen Facetten. Die Durchführung der Eröffnungsfeier, Wettkampfbesuche, Pressegespräche, Foren mit Sportlern, die unverzügliche Lösung aktuell auftretender Probleme und die abendlichen Arbeitsberatungen mit den Leitern der Bezirksdelegationen - das alles gehörte auch zur Spartakiade. Zu ganz besonderen Höhepunkten gestalteten sich immer, die mit einem Schaulaufen der Besten im Eiskunstlauf verbundenen Abschlußveranstaltungen, in denen vor über 5000 Teilnehmern und Besuchern die Sieger geehrt und die Spartakiadewettkämpfe feierlich beendet wurde.

Die Kinder- und Jugendspartakiaden waren etwas Einmaliges in der Welt des Sports. Sie waren das bedeutendste gesellschaftlich Ereignis auf dem Gebiete des Kinder- und Jugendsports in der DDR. Für unseren Leistungssport waren sie eine hervorragende Talenteschmiede aus der nahezu alle erfolgreichen Spitzenathleten des Landes hervorgingen.


Die Jugendwettkämpfe der Freundschaft

Eine andere originelle Wettkampfform waren die Jugendwettkämpfe der Freundschaft (JWdF). Sie entstanden auf Beschluß der Sportleitungen der sozialistischen Länder in Auswertung der Olympischen Spiele 1964 und trugen anfangs den Namen „Olympische Hoffnungen“. Unter dieser Bezeichnung wurden 1965 erstmals Wettkämpfe in der Leichtathletik (in der UdSSR) und im Geräteturnen (in der DDR) ausgetragen. 1966 fanden bereits Wettbewerbe in 4 und 1967 in 16 Sportarten statt. Einige Jahre später in „Wettkämpfe der Freundschaft“ umbenannt, verkörperten sie zunehmend ein eigenständiges Wettkampfsystem für den Nachwuchssport. Den Wettkämpfen lag die Absicht zugrunde, „die Sportjugend der Länder der sozialistischen Staatengemeinschaft einander näher zu bringen“ und „die „sportlichen Leistungen der jungen Sportler der sozialistischen Länder zu verbessern.“ (Vgl.: Reglement für die Durchführung der internationalen Wettkämpfe „Freundschaft“ zwischen den jungen Sportlern der sozialistischen Länder. Internes Material 1974, S. 1). Die Einführung einer derartigen Form von Wettkämpfen erwies sich auch aus organisatorischen und finanziellen Gründen als zweckmäßig. Sie machten viele einzelne Wettkämpfe bis hin zu Länderkämpfen im Nachwuchsbereich mit einem hohem Kostenaufwand überflüssig.

Die Anregung zu derartigen Wettkämpfen ging maßgeblich von der Sportführung der DDR aus. Die Leitungen des Sports der anderen sozialistischen Länder unterstützten unsere Vorschläge und bestätigten als Vorsitzenden der Kommission für die Planung dieser Wettkämpfe der Freundschaft den Vizepräsidenten des DTSB Günther Heinze. Die Funktion des Sekretärs der Kommission übernahm der im sowjetischen Sportkomitee für Planungsfragen zuständige Abteilungsleiter Beresin. Unser ständiger Vertreter von Beginn an bis 1989 war Rudolf Ledig, Abteilungsleiter für Kinder- und Jugendsport im DTSB. Als ich 1974 als Vizepräsident auch für den Nachwuchssport verantwortlich zeichnete, übernahm ich den Staffelstab von Günther Heinze und leitete bis 1987 die Kommission. Diese Aufgabe machte mir viel Freude und wuchs mir ans Herz. Gemeinsam mit Beresin und den anderen in der Kommission tätigen Ländervertretern wirkten wir zielstrebig darauf hin, die Jugendwettkämpfe der Freundschaft zu einer stabilen und attraktiven Wettkampfform für den sportlichen Nachwuchs unserer Länder zu gestalten.

Mitglieder der Kommission Jugendwettkämpfe der Freundschaft während der Tagung im Mai 1979 in Zaborow (Polen)
Mitglieder der Kommission "Jugendwettkämpfe der Freundschaft" während der Tagung im Mai 1979 in Zaborow (Polen)

An den JWdF beteiligten sich Sportmannschaften aus Bulgarien, aus der CSSR, der DDR, der Koreanischen Volksrepublik, aus Kuba, aus der Mongolei, aus Polen, Rumänien, der UdSSR und aus Ungarn. Die Wettkämpfe umfaßten 1989/90 die von diesen 10 Ländern betriebenen 37 olympischen Sommer- und Wintersportarten. Sie wurden nach den Regeln der entsprechenden internationalen Förderationen durchgeführt. Nach dem Rotationsprinzip übernahmen die beteiligten Länder im Wechsel die Ausrichtung der jährlich stattfindenden Wettkampfveranstaltungen. Es bedurfte einiger Zeit und Überzeugungskraft bis dieses Verfahren allgemein anerkannt wurde. Wir setzten das Prinzip durch, daß die Länder, die sich regelmäßig an einer bestimmten Sportart beteiligten, auch verpflichtet waren in einer gewissen Zeitfolge die Wettkämpfe selbst auszurichten. Auf dieser Grundlage wurde es uns möglich, die Wettkämpfe verläßlich voraus zu planen und für den Zeitraum von 4 bis 5 Jahren einen Wettkampfplan zu erarbeiten, der jährlich durch die Kommission präzisiert und weiter fortgeschrieben wurde. Die Kommission erarbeitete ein von den Sportleitungen der Länder bestätigtes Reglement, welches den Ablauf der Wettkämpfe, ihre feierliche Eröffnung und ihren Abschluß, die Auszeichnungen der Besten, die Altersbegrenzung der Teilnehmer, die Dauer der Wettkämpfe, deren Finanzierung und weitere Einzelheiten festlegte.

Unterzeichnung des Protokolls auf der Kommissionstagung 1979 in Zaborow (Polen)
Unterzeichnung des Protokolls auf der Kommissionstagung 1979 in Zaborow (Polen)

Für die Bestimmung der Altersgrenzen in den Sportarten galt der Grundsatz, daß das Höchstalter unter dem der Juniorenweltmeisterschaften bzw. -europameisterschaften liegen mußte. Die JWdF sollten gezielt der langfristigen Vorbereitung auf diese Meisterschaften wie auch auf die Wettkampfanforderungen im Seniorenbereich dienen.

Im Verlaufe der Jahre entwickelten die Jugendwettkämpfe der Freundschaft ihr eigenes Profil. Sie verfügten über ein spezielles Emblem, entsprechend gestaltete Urkunden und Medaillen. Und es gab weitere interessante Besonderheiten. So war verbindlich vereinbart, daß jedes Veranstalterland einen „Tag für kulturell-erzieherische Maßnahmen“ in das Aufenthaltsprogramm aufnahm. An diesem, nach Abschluß der Wettkämpfe gelegenen Tag, wurde allen Teilnehmern die Möglichkeit geboten, etwas mehr vom Land, von den Menschen und deren Geschichte kennen zu lernen, historische Sehenswürdigkeiten zu besuchen und die Wettkämpfe in freundschaftlichen Begegnungen ausklingen zu lassen. Die Veranstalter überboten sich - wie die Praxis zeigte - an Ideen, den jungen Teilnehmern möglichst viele bleibende Eindrücke zu vermitteln. In relativ frühem Alter lernten die Sportler solche interessanten Länder wie Kuba, Korea, die Mongolei oder auch wenig bekannte Regionen der Sowjetunion kennen. Das förderte natürlich ihr Wissen und ihr Bild von der Welt.

Ebenso war es üblich, daß, vom Veranstalter organisiert, zwischen den Trainern oder auch zwischen den Betreuern oder Sportmedizinern ein Erfahrungsaustausch zu einem vorher vereinbarten Thema stattfand. Gemeinsam interessierende Fachfragen der Trainings- oder Wettkampfgestaltung, der Talentförderung oder der sportmedizinischen Betreuung gehörten zur Tagesordnung dieser Gespräche. Neben den im Brennpunkt stehenden Wettkämpfen gehörten auch diese Formen und Begegnungen zu den JWdF. Sie widerspiegelten als Ganzes deren politisch-erzieherisches Anliegen und deren eindrucksvolle freundschaftliche Atmosphäre.

Im Verlaufe der Jahre gewannen die Jugendwettkämpfe der Freundschaft eine hohe Ausstrahlungskraft. Sie wurden zu einer festen Größe in den Wettkampfkalendern der Sportverbände der sozialistischen Länder. Sie motivierten unsere besten Nachwuchssportler im Aufbau- und Anschlußbereich und waren für sie eine erste internationale Bewährungsprobe vor den Welt- und Europameisterschaften der Junioren.