Hochleistungssport

Olympiazyklus 1980 - 1984

Die Auswertung der Olympischen Spiele 1980 bestärkte uns darin, unsere bewährte Strategie in ihren zwei Hauptrichtungen planmäßig fortzuführen.


Zwei Richtungen - ein Ziel

Die dem Fördersystem zugrunde liegende Kaderpyramide mußte auch künftig und zwar ungeachtet der zu erwartenden geburtenschwächeren Jahrgänge, in quantitativer und qualitativer Hinsicht gefestigt werden. Dabei gewannen die Anzahl der in den jeweiligen Sportarten trainierenden Kinder und Jugendlichen, der Anteil von männlichen und weiblichen Sportlern und ihre Leistungsvoraussetzungen an Bedeutung. Die zwischen den verschiedenen Sportarten bestehenden Disproportionen mußten eingeschränkt und für jede einzelne Sportart und Disziplingruppe eine möglichst optimale Kaderpyramide aufgebaut und stabil erhalten werden. Neben den jährlich in der ersten Förderstufe neu aufzunehmenden ca. 26000 Kindern erforderte das vor allem die Überleitung der bereits Trainierenden zu verbessern und eine größere Anzahl von einer Stufe zur anderen zu führen. Die zweite Förderstufe und ihr Wirkungsgrad erhielten dabei eine Schlüsselfunktion.

Was die Olympiavorbereitung anbetraf, so stand die Umsetzung der nach 1980 in Kraft gesetzten Olympiakonzeptionen und Trainingspläne im Vordergrund der Arbeit. Konsequenz und Schöpfertum waren dabei gleichermaßen gefordert. Sie bildeten nach unserem Verständnis keinen Widerspruch. Die von den Trainern gemeinsam mit den Athleten erarbeiteten individuellen Trainingspläne (ITP) stellten die optimale Leitlinie für die Olympiavorbereitung des einzelnen Sportlers dar, die es in der Folgezeit mit hoher Konsequenz, aber in ihren Details und für die verschiedenen Trainingszyklen zugleich sehr ideenreich und flexibel zu verwirklichen galt.

Vergleich der Jahresbestleistungen in der LeichtathletikVergleich der
Jahresbestleistungen
in der Leichtathletik
Anteil der Sportartengruppen am Gesamtergebnis des DDR-Leistungssports 1976 - 82Anteil der Sportartengruppen
am Gesamtergebnis des
DDR-Leistungssports 1976-82

Die 1982 in der überwiegenden Mehrzahl der Sportarten durchgeführten Welt- und Europameisterschaften bestätigten die auf diesem Wege erzielten Fortschritte. Eine differenzierte, kritische Analyse ließ jedoch auch erkennen, daß es uns in einer Reihe von Disziplinen nicht ausreichend gelungen war mit dem Entwicklungstempo der Weltspitze Schritt zu halten. In den meßbaren Sportarten Leichtathletik, Schwimmen und Gewichtheben hatten sich von 1980 zu 1982 in etwa einem Drittel der Disziplinen die Abstände zwischen den DDR- und Weltbestleistungen vergrößert. In den technischen Sportarten und in den Kampfsportarten, aber auch in wichtigen Disziplinen der Leichtathletik konnte man mit der Anzahl der in die Auswahlmannschaften geführten jungen Anschlußsportler nicht zufrieden sein. Und selbst in den 1982 sehr erfolgreichen Sportarten, wie beispielsweise dem Sportschwimmen, ergaben Analysen bei einem Teil der Sportler inhaltlich nicht vertretbare Rückstände bei der Realisierung der ITP.

Das alles waren Warnsignale, die uns gemeinsam mit den betreffenden Sportverbänden veranlaßten, die Maßstäbe im Training zu überprüfen und die Anstrengungen in wichtigen Teilbereichen zu verstärken.


Trainingsoffensive 1983/84

Bewußt stellten wir auch in dieser Situation das Training und die Anwendung vorhandener und neuer wissenschaftlicher Erkenntnisse in den Mittelpunkt. Es entstand die Idee, eine Offensive im Training einzuleiten, um durch einen starken Trainingsschub einen erneuten kräftigen Leistungsaufschwung bis zu den Olympischen Spielen 1984 auszulösen.

Im März 1983 bot sich mir die Möglichkeit vor etwa 400 verantwortlichen Funktionären und Trainern des Leistungssports diese Linie und die damit verbundenen inhaltlichen Anforderungen zu begründen. Sechs übergreifende Aufgaben wurden dabei in den Mittelpunkt der beabsichtigten Trainingsoffensive gestellt:

(Vgl.: Röder, H.: Referat auf den Lehrgang leitender Kader des Leistungssports in Kleinmachnow am 14.3.1983, unveröffentlichtes Material, Seite 17-41).

Es war nicht übertrieben, wenn wir damals feststellten, daß dieser Lehrgang mit seinen Referaten, Seminaren und Diskussionen ausstrahlte und viele neue Aktivitäten auslöste. Die Leitungen in den Sportverbänden und -clubs wandten sich noch entschiedener den inhaltlichen Ansprüchen in Erziehung und Ausbildung und der gewissenhaften Erfüllung der ITP und der in ihnen ausgewiesenen Zwischenziele zu. Viele Trainer griffen die Aufforderung auf, gegen Stillstand und Routine anzukämpfen und risikobereiter und schöpferischer zu arbeiten. Sie förderten noch bewußter die aktive Mitwirkung der Athleten in der Planung und Auswertung und im täglichen Ringen um eine höhere Trainingsqualität. Gerade in dieser Hinsicht bestanden noch vielfach Reserven, die es besser zu erschließen galt.

Auch für die in der Leistungssportforschung Tätigen ergaben sich aktuelle Folgerungen. Ihre Arbeit mußte sich noch konsequenter an den prognostisch abgeleiteten Schwerpunkten der Leistungsentwicklung orientieren und termingerecht die erforderlichen wissenschaftlichen Vorleistungen für die geplanten Entwicklungen bringen. Erfindergeist und Neurertum, eine hohe praktische Wirksamkeit und die enge Verflechtung von Sportwissenschaft und Leistungssportpraxis waren gefragt.

Unsere Trainingsoffensive zahlte sich aus. Die Wettkampfjahre 1983 und 1984 erbrachten für den Sport der DDR viele hervorragende Resultate. Die Sportler und Mannschaften waren für den olympischen Wettstreit in Sarajewo und Los Angeles gut gerüstet.


Erlebnisse im Vorfeld der Spiele 1984

Im Sommer 1983 besuchte ich gemeinsam mit dem für Wintersport zuständigen Abteilungsleiter die Olympiastadt Sarajevo. Wir machten uns mit dem Stand der Vorbereitungen bekannt und klärten die Unterbringung unserer Mannschaft im Olympischen Dorf sowie die Unterkünfte für die zusätzlichen Offiziellen.

Trainingszeit in den Sportartengruppen 1982 zu 1984Trainingszeit in
den Sportartengruppen
1982 zu 1984

Unmittelbar von Bergen umgeben, bot Sarajewo als mittelgroße Stadt, ähnlich wie auch Innsbruck oder Grenoble, alle Voraussetzungen für die Durchführung von Olympischen Winterspielen. Es entstanden moderne Sportstätten und man spürte die erwartungsvolle, gastfreundliche Haltung der Bevölkerung, gleich welcher Nationalität oder Religion. Mein "alter Bekannter" Artur Takac, der einen hohen persönlichen Anteil an der Vergabe der Spiele an die Stadt Sarajewo hatte, ermöglichte uns auf Grund der Kürze unseres Aufenthaltes, einen Rundflug mit dem Hubschrauber zu den einzelnen olympischen Zentren. Er wurde zu einem Erlebnis besonderer Art! In geringer Höhe kreisten wir über dem Stadion, das für die Eröffnungsveranstaltung vorgesehen war, über dem Eissportzentrum Zetra und dem Olympischen Dorf. Dem Fluß Miljacka entlang flogen wir über die Stadt zur Schlitten- und Bobbahn und zu den Wettkampfstätten der Skiläufer und -springer. Die Eindrücke blieben unvergessen und kamen mir immer wieder in Erinnerung, als ich Jahre später im Fernsehen die grauenhaften Bilder der Zerstörung Sarajevos durch einen sinnlosen Krieg sah. Viele Einwohner, die sich damals auf die Olympischen Spiele freuten, standen sich nun als Feinde gegenüber und zerstörten die gemeinsam mühevoll errichteten Olympischen Bauten. Welch ein Widersinn! Mich bewegt bei diesem Rückblick der Gedanke, wie hoffnungsvoll aber auch wie machtlos oftmals doch die Olympische Bewegung und die Olympischen Spiele in ihrem Beitrag um die Verständigung von Völkern und um ihr friedliches Miteinanderleben sind.

Blick auf die Olympiastadt Sarajevo
Blick auf die Olympiastadt Sarajevo

Im Sommer 1983 begleitete ich eine Delegation unseres Schwimmsportverbandes zu vorolympischen Wettkämpfen nach Los Angeles. Neben den Wettbewerben und den für die Mannschaften vorgesehenen Unterkünften interessierten natürlich die von den Ausrichtern eingeleiteten Vorkehrungen zur Sicherheit der Teilnehmer. Das was ich sah und selbst erlebte, bestärkte die Auffassung, daß die zuständigen Stellen der USA durchaus in der Lage waren, eine Gefährdung der Sicherheit unserer Mannschaft bei diesen Vorwettkämpfen und gewiß auch zu den Olympischen Spielen zu verhindern. Zu diesen und anderen Themen hatte ich zwei Aussprachen mit dem Präsidenten des Organisationskomitees der Spiele, Peter Überroth. Ihm lag, so war zu spüren, sehr an einer Olympiateilnahme der DDR. Offensichtlich glaubte er, daß im Falle eines Teilnahmeverzichts der Sowjetunion eine davon unabhängige Beteiligung der DDR zu ermöglichen wäre. Das, so vermeinte er nach meinem Empfinden, würde die Spiele durch den zu erwarteten Zweikampf zwischen den Mannschaften der USA und der DDR aufwerten und die Sowjetunion politisch und sportpolitisch isolieren. Nur aus einer derart unrealistischen Beurteilung der Lage heraus ließ es sich meines Erachtens erklären, daß er mich eindringlich darum bat, Berlin telefonisch darüber zu informieren, daß er kurzfristig zu einem Treffen mit Erich Honecker in die DDR kommen möchte. Obgleich ich seinem Wunsch entsprach, war mir klar, daß eine derartige Begegnung völlig ausgeschlossen war, so lange die Sowjetunion noch nicht über ihre Beteiligung an den Spielen in Los Angeles entschieden hatte. Erst im Mai 84 fiel schließlich diese Entscheidung. Das eindeutige Nein zerstörte endgültig alle Hoffnungen, Wünsche und Ziele. Das galt für uns alle, aber natürlich betraf es am stärksten die Athleten. Für nicht wenige wären die Spiele in Los Angeles aus alters- oder leistungsbedingten Gründen die einzige Möglichkeit gewesen, einmal als Olympionike an den Start zu gehen. Aber auch für die jüngeren Sportler, die sich für die Spiele 1988 noch eine Chance ausrechnen konnten, bedeutete unsere Nichtteilnahme einen unwiederbringlichen Verlust. So gehörte es für mich und für die anderen Mitglieder der Sportleitung zu den wohl schwersten Verpflichtungen, unseren Olympiakandidaten zu erklären, daß wir aus Sicherheitsbedenken und in Solidarität mit dem sowjetischem Sport ebenfalls nicht an den Sommerspielen 1984 teilnehmen. Mir fiel die Aufgabe zu, die Olympiakandidaten aus Halle, Leipzig und Magdeburg zu informieren. Im Rückblick erinnere ich mich an die gedrückte Stimmung, die über dieser Versammlung lag. Und so sehr ich mich auch bemühte, die getroffene Entscheidung mit den verschiedensten Argumenten zu stützen, als ehemaliger Leistungssportler vermochte ich mich in das Denken und Fühlen der jungen Sportler hineinzuversetzen.

Ungeachtet aller Bemühungen der Veranstalter - die als Alternative von den einzelnen sozialistischen Ländern organisierten Wettkampfveranstaltungen konnten Olympische Spiele nicht ersetzen. Die Olympiasieger, die Medaillengewinner und die Platzierten waren andere, oftmals in ihren Leistungen Schwächere. Ihre Namen gingen in die olympische Geschichte ein.

Aus den bitteren Erfahrungen des in dieser Zeit Erlebten mußten Lehren für die Zukunft gezogen werden. Die wohl wichtigste bestand für uns darin: Bei den Olympischen Spielen 1988 müssen die Sportler der DDR wieder dabei sein, denn jeglicher Olympiaboykott - gleich von welcher Seite - dient weder den Sportlern noch der Olympischen Bewegung!


Die Trainer unserer "goldener Fonds"

In der ersten Hälfte der achtziger Jahre vollzogen sich im Leistungssport der DDR auch wichtige Entscheidungen und Veränderungen auf dem Gebiet des Trainerwesens. Die dazu im Leistungssportbeschluß vom 2.12.1980 enthaltenen Aussagen bildeten dafür die Grundlage. Sie sahen u. a. die Bildung von einheitlich strukturierten Trainerräten, den Einsatz von Cheftrainern in allen geförderten olympischen Sportverbänden und wichtige Maßnahmen zur Aus- und Weiterbildung der Trainer vor.

Als Vizepräsident für Trainingswesen und Wissenschaft wurden diese Aufgaben zu einem Arbeitsschwerpunkt des von mir geleiteten Bereichs und meiner eigenen Tätigkeit. Wir sahen im Trainer den hauptsächlichen Träger der Erziehung und Ausbildung der Sportler und den Hauptakteur bei der Gestaltung eines wissenschaftlich fundierten Trainings. Unsere wissenschaftlich gestützte Auffassung vom Training als einem pädagogischen Prozess, in dem mit dem und durch den Sportler als handelndes Subjekt vielfältige Ausbildungs- und Erziehungsaufgaben in ihrer Wechselwirkung zu bewältigen waren, machten den Trainer im System des DDR-Leistungssports unverzichtbar. Der Leistungssport bedurfte des beruflich tätigen und dafür wissenschaftlich ausgebildeten Trainers.

Von einer derartigen Grundposition aus, rückten seit den sechziger Jahren drei Aufgaben zunehmend in den Vordergrund:


Das starke zahlenmäßige Wachstum der Trainer in den verschiedenen Förderstufen führte in den siebziger und achtziger Jahren zu differenzierten Arbeitsprofilen. 1983/84 gab es in allen olympisch geförderten Sportarten Chefverbandstrainer und Verbandstrainer für den Hochleistungs- und Nachwuchssport. Ihre Anzahl und Aufgabenverteilung richteten sich nach der Struktur und der Größe des jeweiligen Sportverbandes und konnte zwischen 3 bis zu 10 Verbandstrainern betragen.

Aufgabenverteilung der Verbandstrainer im Sportverband RingenAufgabenverteilung der
Verbandstrainer
im Sportverband Ringen

In den Sport- und Fußballclubs standen die Cheftrainer der Sektionen an der Spitze ihrer Trainerkollektive. Abhängig von der Größe der Sektion/Sportart konnten diese Kollektive bis zu 20 und in einzelnen Fällen auch noch mehr Trainer umfassen. Die Cheftrainer fungierten als deren politische und fachliche Leiter. 95 % aller in der 3. und 2. Förderstufe tätigen Trainer wiesen einen Hoch- oder Fachschulabschluß auf.

In der 1. Förderstufe trugen die Bezirkstrainer als Mitarbeiter der Bezirksvorstände des DTSB die fachliche Verantwortung für die in den Kreisvorständen angestellten Trainer in den Trainingszentren. Von den Trainern in der 1. Förderstufe waren 63% Hoch- oder Fachschulabsolventen. Während in den Bezirkstrainingszentren oft zwei oder mehr Trainer tätig waren, wurden die TZ im allgemeinen durch einen hauptamtlich tätigen Trainer geführt. Etwa 9000 Übungsleiter bildeten deshalb nach wie vor eine unverzichtbare Stütze für die TZ. Sie waren auf das Training mit Kindern in ihrer Sportart spezialisiert und mußten dafür eine Ausbildung in der Stufe 3 oder 4 nachweisen.

Die unmittelbare Anleitung der großen, ständig wachsenden Zahl von Trainern oblag den Verbandsleitungen, den Sekretariaten der Sport- und Fußballclubs sowie den Bezirks- und Kreisvorständen. Wir, d. h. das Sekretariat des DTSB und speziell die für den Leistungssport zuständigen Vizepräsidenten, gaben durch entsprechende Beschlüsse und zentrale Anleitungen die Richtungen und den Rahmen für die Arbeit der Trainer vor. Eine wichtige Rolle spielten dabei die Arbeitstagungen mit allen Cheftrainern der Clubs (1978 und 1981) sowie mit den Bezirkstrainern (1982) durch den von mir vertretenen Arbeitsbereich. Damals betrug die Zahl der Cheftrainer 148 und die der Bezirkstrainer 190 Personen. Auf diesen Tagungen wurden die Tätigkeitsmerkmale dieser Trainergruppen dargelegt, die gemeinsam zu lösenden, sportartenübergreifende Arbeitsschwerpunkte definiert und das Zusammenwirken der verschiedenen Trainergruppen besprochen.

Einen gewissen Abschluß des sich über Jahre vollziehenden strukturellen Aufbaus unseres Trainerwesens vollzog die Leistungssportkonferenz im Januar 1985, auf der ich im Auftrage der Leistungssportkommission und des DTSB-Präsidiums vor über 3000 Teilnehmern, darunter etwa 1500 Trainern, die Aufgaben der verschiedenen Trainergruppen erläutern konnte. Alle diese Aktivitäten trugen wesentlich dazu bei, das gewaltige schöpferische Potential das unsere Trainer darstellten, noch wirksamer zu entfalten und ihr einheitliches Vorgehen in allen Ausbildungsetappen zu unterstützen.


Trainerräte in den Sportverbänden und Zentraler Trainerrat

Entsprechend den Festlegungen des Leistungssportbeschlusses vom Dezember 1980 vollzogen sich in der ersten Hälfte der achtziger Jahre auch wesentliche Veränderungen bei den Trainerräten. Von den Erfahrungen des sowjetischen Sports angeregt, entstanden die ersten Trainerräte bei uns in den frühen fünfziger Jahren. Sie entwickelten den Meinungs- und Erfahrungsaustausch zwischen den Trainern und dienten der Abstimmung von Wettkämpfen, Lehrgängen und der Periodisierung. Diese Trainerräte nahmen in der Folgezeit in den einzelnen Verbänden eine teilweise unterschiedliche Entwicklung. Der Aufbau der Förderstufen sowie die in den siebziger Jahren entstandenen Ausbildungskollektive und Steueraktive machten zunehmend eine Neuordnung dieser bewährten Form der Gemeinschaftsarbeit erforderlich. Zu ihrer einheitlichen inhaltlichen Leitlinie wurde der langfristige Trainings- und Leistungsaufbau in der betreffenden Sportart mit den damit verbundenen vielschichtigen Aufgaben. Einen weiteren Schwerpunkt bildete der organisierte Erfahrungsaustausch und die Fortbildung der Trainer im Prozess der Arbeit. Die Trainerräte standen künftig unter der Leitung des jeweiligen Chefverbandstrainers. Ihnen gehörten neben den Verbandstrainern, die Cheftrainer der Sektionen, der Verbandsarzt, der Leiter des Wissenschaftlichen Zentrums und der der Forschungsgruppe an. Für die einzelnen Ausbildungsetappen wurden Unterkommissionen gebildet, in denen die erfahrensten Nachwuchstrainer zusammengeführt wurden. Auf diese Weise waren Hunderte von Trainern am Erkenntnisgewinn und an der Ausarbeitung der trainingsmethodischen Konzepte in ihren Sportarten mitbeteiligt.

1981/82 folgte schließlich die Bildung eines Zentralen Trainerrates. Er sollte sich als zentrales Beratungsgremium der Leitung des DTSB auf dem Gebiet der Trainings- und Wettkampfsysteme sowie zu Fragen des Trainerwesens profilieren. Als Mitglieder wurden alle Chefverbandstrainer, die Leiter der Arbeitskreise, ausgewählte Bezirks- und Clubtrainer sowie einzelne Trainingswissenschaftler der DHfK und des Forschungsinstitutes berufen. Unter dem Vorsitz des für Trainingsfragen zuständigen Vizepräsidenten kam der Rat mehrmals im Jahr zusammen und beriet - unabhängig von aktuellen Zwängen - Grundfragen der weiteren Steigerung der sportlichen Leistungen und der Erneuerung des Trainings.


Zur Planung und Auswertung des Trainings

Von jeher nahmen die Planung und die Auswertung des Trainings im Leistungssport der DDR eine Schlüsselrolle ein. Deshalb wäre es durchaus berechtigt gewesen, bereits zu Beginn dieses Kapitels darüber zu berichten. Wenn ich erst in diesem Olympiazyklus darauf eingehe, so hängt das nicht nur mit der überaus dynamischen Entwicklung dieses Komplexes über mehrere Olympiaden, sondern auch mit einem anderem Fakt zusammen. Anfang 1984 trat eine neue „Richtlinie für die Planung und Auswertung des Trainings“ in Kraft. Sie war von der Abteilung Sportmethodik in Abstimmung mit den Sportverbänden vorbereitet worden und faßte auf der Basis der bisherigen Erfahrungen die Anforderungen an die Planung und Auswertung des Trainings zusammen. (Vgl.: Deutscher Turn- und Sportbund der DDR: Richtlinie für die Planung und Auswertung des Trainings 1984-1989, internes Arbeitsmaterial, 59 Seiten).

Neben den seit vielen Jahren bewährten Rahmentrainingsplänen der Sportverbände und der Planung des Abschnitts der unmittelbaren Wettkampfvorbereitung (uWV) nahmen vor allem die für einen Olympiazyklus gültigen mehrjährigen Plan- und Auswertungsdokumente eine wichtigen Platz in diesem Dokument ein. Das betraf die Trainingsmethodischen Grundkonzeptionen (TGK) der Verbände, die individuellen Entwicklungskonzeptionen für die Sportler der 3. Förderstufe und die Trainingsprogramme für das Grundlagentraining mit einer Laufzeit von vier Jahren. Die Anforderungen an die Planung und Auswertung des Anschluß-, Aufbau- und Grundlagentrainings wurden inhaltlich präzisiert und vereinheitlicht. über alle vier Etappen hinweg orientierte die Richtlinie auf die Planung aufeinander abgestimmter Leistungs-, Normen- und Trainingswerte. Das war eine außerordentlich anspruchsvolle Aufgabenstellung, verlangte sie doch eine möglichst eindeutige Definition dieser Werte für die Sichtung und Auswahl als auch für die sportliche Ausbildung und die Leistungsentwicklung in allen Etappen. Diese Kennwerte und -ziffern waren zumeist empirisch gewonnen und oft noch nicht ausreichend wissenschaftlich gestützt. Unsere damaligen Forderungen waren also kühn, aber zukunftsgerichtet.

Die Richtlinie beschränkte sich bewußt auf die von den Sportverbänden auszuarbeitenden bzw. zu bestätigenden Plan- und Auswertungsmaterialien. Sie legte dafür verbindlich die Form, den Ablauf und die Termine der Ausarbeitung und der Bestätigung auf der Verbandsebene sowie für die Beratung und Bestätigung durch die Arbeitskreise und die zuständige Abteilung fest. Unterhalb dieser Kategorie räumte sie den Trainern in den Sportclubs und Trainingszentren viele Freiräume für ein flexibles und selbstbestimmtes Planen und Handeln ein.

Schematische Übersicht über die TrainingsplanungSchematische Übersicht
über die Trainingsplanung

Trainingsplanung und -auswertung waren im Leistungssport der DDR unverzichtbare Instrumentarien für eine systematische Vorbereitung von Sportlern auf hohe sportliche Leistungen. Wir betrachteten sie nicht als dem Sport von außen aufgezwungene planwirtschaftliche Zwänge wie man es uns heute gern zu unterstellen versucht. Im Gegenteil! Sie wiesen - durch Trainererfahrungen und wissenschaftliche Ergebnisse gestützt - einen sicheren Weg zum Erfolg und lagen deshalb sehr wohl im Interesse des Athleten, den es in jeder Phase aktiv einzubeziehen galt.

Zugleich bedeutete die Planung und die mit ihr verbundene Analyse des Erreichten für uns eine wichtige Quelle um neue Einsichten und Erkenntnisse über den Prozess und die Gesetzmäßigkeiten des sportlichen Trainings und der sportlichen Leistungssteigerung zu gewinnen.