Hochleistungssport

Von Olympiade zu Olympiade

Olympisches Feuer Als ich 1959 in Berlin im Sport zu arbeiten begann, konnte ich wahrhaftig nicht ahnen, daß ich 13 Olympische Spiele erleben würde. Sie wurden für mich zu unvergeßlichen Lebenshöhepunkten, die mich, abhängig von meiner jeweiligen Aufgabe und Funktion, auch in ganz unterschiedlicher Art faszinierten.

So lag es eigentlich nahe, daß ich anfangs, als ich den Titel für dieses Kapitel auswählte, dazu neigte, es „Von Olympischen Spielen zu Olympischen Spielen“ zu nennen. Doch beim weiterem Durchdenken sah ich die Gefahr, daß eine derartige Überschrift dazu verleiten könnte, vor allem die erlebten Olympischen Spiele selbst zu beschreiben, was unweigerlich zu mehr oder minder schlechten Kopien der vielen bereits veröffentlichten Olympiabücher führen würde.

Das von mir mit diesem Kapitel verfolgte Anliegen ist ein anderes. In ihm möchte ich nicht so sehr die Olympischen Spiele, sondern ihre systematische Vorbereitung, das heißt, die schöpferischen Anstrengungen der Sportler, der Trainer, Wissenschaftler und Leiter des Sports der DDR auf dem Wege zu den einzelnen Spielen in den Mittelpunkt stellen. Von der Grundüberlegung ausgehend, daß Training und Wettkampf und ihre wissenschaftliche Durchdringung die aktivsten Elemente der sportlichen Leistungssteigerung sind, soll der Versuch unternommen werden, wesentliche Triebkräfte und Ursachen für den Aufstieg des DDR-Leistungssports von den Olympischen Spielen 1960 bis 1988 darzustellen. Diese Absicht führte schließlich zu der Überschrift "Von Olympiade zu Olympiade".

In der Tat, der Terminus Olympiade, also die Zeitspanne von vier Jahren zwischen zwei Olympischen Spielen, markierte für alle die im Hochleistungssport der DDR wirkten, stets einen wichtigen Abschnitt angestrengter Arbeit. Auch für mich bestimmten diese Vierjahreszyklen für eine lange Zeit den Kalender meines Lebens. Nicht so sehr das Jahr, sondern Olympiaden mit den Olympischen Spielen als Höhepunkte prägten Ziele und Aufgaben, Dynamik und Rhythmus unseres Tuns.


Olympiade - vier Jahre zielbewußte und schöpferische Arbeit

Schon in Auswertung der Spiele in Rom bildete sich die Erkenntnis heraus, daß eine erfolgreiche Beteiligung an den Spielen eine langfristig geplante, mehrjährige Vorbereitung erforderlich macht. Doch es bedurfte noch einiger Jahre, bis die innere Struktur der Vierjahreszyklen so ausdifferenziert war, daß schließlich jedem Jahr eine eigene spezifische Funktion zukam.


Diese hier grob skizzierte Grundstruktur lag unserer Olympiavorbereitung etwa ab 1964 zu Grunde. Natürlich wurde sie in den einzelnen Sportarten modifiziert und in den mehrjährigen Trainingskonzeptionen der Sportverbände konkret ausgearbeitet. Sportartspezifische und sportartenübergreifende Inhalte bildeten dabei eine Einheit und sicherten eine hohe Wirksamkeit des Trainings und der Wettkämpfe in einer wachsenden Anzahl von Sportarten.

Was waren solche die Entwicklung der sportlichen Leistungen maßgeblich bestimmenden übergreifenden Schwerpunkte und wie kamen sie in den einzelnen Olympiazyklen zur Wirkung? Diesen Fragen möchte ich im folgenden nachgehen, da nach meinem Ermessen durch ihre Beantwortung die Ursachen für den ununterbrochenen Aufstieg des DDR-Leistungssports über sieben Olympiaden in hohen Maße sichtbar und verständlich werden.

Um dabei die Gefahr subjektiver Beurteilungen einzuschränken, habe ich die entsprechenden Beschlüsse des Politbüros der SED bzw. des Präsidiums des DTSB über die Vorbereitung der verschiedenen Olympischen Spiele nochmals eingesehen sowie einschlägige Veröffentlichungen in der Zeitschrift „Theorie und Praxis des Leistungssports“ ausgewertet. Weiter stütze ich mich auf die von mir auf verschiedenen Leistungssportkonferenzen gehaltenen Referate, in denen vor allem die Weiterentwicklung der Trainings- und Wettkampfsysteme im Mittelpunkt stand.